Abfalltüten aus Biokunststoff: Allein der Name kann schon in die Irre führen und Verwirrung darüber auslösen, ob die Müllbeutel nun in den Biomüll oder die gelbe Tonne gehören. Doch die innovativen Mülltüten aus biologisch abbaubarer Stärke oder Cellulose sollen genau an diesem Problem ansetzen: Viele sammeln ihren Biomüll immer noch in herkömmlichen Plastiktüten, die aber auf keinen Fall in Verwertungsanlagen von organischem Müll landen sollten. Bioabbaubare Kunststoffe hingegen gelten als ökofreundliche Alternative, da die technische Bioabfallverwertung in der Lage sein soll, sie zu harmloser Biomasse abzubauen.
Doch zu welchem Grad die Mülltüten aus Biokunststoff tatsächlich abgebaut werden, ist oft gar nicht bekannt. Eigentlich ist ein Material biologisch abbaubar, wenn es durch mikrobielle Aktivität in der Anwesenheit von Sauerstoff in CO2, Wasser, Salze und Biomasse abgebaut wird. Doch momentan wird der Grad des Abbaus auf recht ungenaue Weise nur über die Menge an produziertem CO2 während der Degradierungsprozesse bestimmt. „Unter diesen Bedingungen erfährt man nichts über die Mechanismen des Abbaus von bioabbaubarem Material, vor allem nicht, ob ein signifikanter Teil an Mikro- und Nanoplastik zurückbleibt, welche einen schwerwiegenden Einfluss auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit haben können“, erklären Thomas Steiner von der Universität Bayreuth und seine Kollegen.
Kompost unter der Lupe
Die Wissenschaftler haben es sich daher zur Aufgabe gemacht herauszufinden, wie viele bioabbaubare Plastikpartikel sich tatsächlich noch in dem Fertigkompost, der aus Biomüll hergestellt wird, befinden. Dafür arbeiteten sie mit vier städtischen Bioabfallverwertungsanlagen zusammen, die etablierte technische Verfahren einsetzen, um Bioabfall in einem zweistufigen Prozess zu verarbeiten: Auf die mikrobielle Produktion von Biogas folgt die Umwandlung des organischen Restmaterials zu hochwertigem Kompost.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass sich im Fertigkompost der vier Anlagen immer noch eine signifikant hohe Anzahl an bioabbaubaren Mikroplastik-Partikeln befand. Diese weniger als einem Millimeter kleinen Partikel machen zusammen 0,43 Prozent des Trockengewichts des Komposts aus. Die deutsche Düngemittelverordnung (DüMV) verlangt zwar, dass der Anteil von bioabbaubarem Kunststoff in hochwertigem Kompost maximal nur 0,1 Prozent des Trockengewichts betragen darf, doch dieser Grenzwert bezieht sich allein auf Mikroplastik-Partikel, die größer als zwei Millimeter sind – alle Partikel unter diesem Durchmesser werden gar nicht zur Bemessung der Plastikverschmutzung herangezogen. Die Verwertungsanlagen stellen aber nicht nur Kompostdünger her, sondern auch Flüssigdünger, der ebenfalls von Steiner und seinen Kollegen untersucht wurde. Darin entdeckten sie mehrere tausend bis zu 0,5 Millimeter kleinen Plastikpartikeln pro Liter.





