Deutsche Forscher haben herausgefunden, warum Fledermäuse in Regennächten zu Hause bleiben: Wenn sie ein nasses Fell bekommen, verdoppeln sich die Energiekosten für den Flug. Dieser Effekt ist nicht auf das höhere Gewicht zurückzuführen, sondern auf die schlechten aerodynamischen Eigenschaften und den erhöhten Wärmeverlust der nassen Tiere im Flug, wie die Forscher um Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin nun zeigen konnten.
Es ist schon lange bekannt, dass Fledermäuse kein Regenwetter mögen: Ist es nass, dösen sie in ihren trockenen Quartieren vor sich hin. Bislang war allerdings unklar, welcher Faktor die Tiere so wasserscheu macht. Die Berliner Fledermausforscher wollten mit ihrer Studie nun eine mögliche Ursache genauer untersuchen: den hohen Energieaufwand für Flüge im Regen. Sie analysierten dazu den Energieverbrauch fliegender Fledermäuse der Art Carollia sowelli, die in ihrer Heimat Costa Rica häufig heftigen tropischen Regenfällen ausgesetzt sind. Die Tiere flogen in einem 30 Quadratmeter großen Käfig ? mal trocken, mal mit nassem Fell und auch bei zusätzlichem Regen. Über Blutproben vor und nach den Flügen erfassten die Forscher dabei den Energieverbrauch der Tiere.
Die Analysen ergaben, dass die nassen Fledermäuse doppelt so viel Energie aufwenden mussten wie die trockenen. Der Regen selbst spielte dabei allerdings keine Rolle: Der Energieverbrauch war gleich, egal ob die Tiere durch die Regentropfen flogen oder nicht. Dies schloss eine mögliche Ursache aus, nämlich dass Regentropfen den Auftrieb und den Flügelschlag der Tiere erschweren könnten. Auch die Gewichtszunahme durch das nasse Fell sei nicht der Grund, sagen die Forscher, denn die Tiere waren nass nur minimal schwerer als trocken.
Christian Voigt und seine Kollegen führen die verdoppelten Flugkosten eher auf eine veränderte Aerodynamik und eine erhöhte Wärmeproduktion der nassen Tiere zurück: Fledermäuse mit feuchtem Fell verlieren so viel Wärme, dass sie zusätzliche Energie für die Erhaltung einer konstanten Körpertemperatur aufwenden müssen, vermuten die Wissenschaftler. Das Fell einer trockenen Fledermaus umschließt außerdem den Körper ideal und macht ihn dadurch windschnittig: die Fledermäuse können in einer Art Tropfenform durch die Luft sausen. Im Regen wird aus dem Tier dagegen die sprichwörtliche ?gebadete Maus? ? knöcherne Vorsprünge und Kanten treten hervor und bremsen den Luftstrom. Im Regen fahren Fledermäuse deshalb meistens ihren Stoffwechsel herunter und warten auf besseres Wetter. Dies gilt wahrscheinlich für alle Fledermausarten, vermuten die Forscher.
Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin und seine Kollegen berichten über ihre Studie im Fachmagazin Biology Letters, doi:10.1098/rsbl.2011.0313. wissenschaft.de ? Martin Vieweg





