Bei mathematisch begabten Jugendlichen arbeiten die beiden Hirnhälften offenbar besonders gut zusammen. Das hat ein amerikanisch-australisches Forscherteam bei Versuchen mit Schülern und Studenten herausgefunden. Ihre Experimente schildern Harnam Singh vom Forschungsinstitut für Verhaltens- und Sozialwissenschaften der U.S. Army und Michael O’Boyle von der Universität Melbourne in der Fachzeitschrift Neuropsychology (Bd. 18. S. 371).
Die Forscher präsentierten insgesamt 60 rechtshändigen jungen, männlichen Versuchspersonen Buchstabenmuster auf einem Computerbildschirm. Für weniger als eine Sekunde leuchteten jeweils zwei Buchstaben auf, die sich aus kleineren Buchstaben zusammensetzten. Die zwei Buchstaben erschienen dabei entweder im rechten oder im linken Gesichtsfeld oder jeweils einer auf einer Seite des Monitors. So wurden bei dem Test entweder die linke, die rechte oder beide Hirnhälften gefordert.
Die Probanden sollten je nach Aufgabenstellung entscheiden, ob die Buchstabenmuster auf “lokaler Ebene” ? innerhalb der kleinen Buchstaben ? oder auf “globaler Ebene” ? bei den großen, zusammengesetzten Buchstaben ? gleich waren. Für durchschnittlich begabte Teenager und Studenten war die linke Hirnhälfte schneller, wenn es darum ging, die Aufgabe allein auf der lokalen Ebene zu lösen. Die rechte Hirnhälfte war dagegen schneller im Erkennen globaler Unterschiede. Dieses Ergebnis bestätigt frühere Vermutungen, dass die linke Hirnhälfte vor allem visuelle Einzelheiten bearbeitet, während die rechte Hemisphäre besonders gut ein Gesamtbild erkennt.
Bei mathematisch begabten Jungen fanden die Forscher hingegen keine Unterschiede zwischen den beiden Hirnhälften. Sie könnten mit beiden Hemisphären gleich gut lokale und globale Elemente erkennen. Das lege nahe, dass bei den Mathe-Genies beide Hirnhälften besonders gut miteinander kooperieren, sagen die Wissenschaftler.
Dafür spricht auch die Tatsache, dass sie bei den beidseitigen Tests deutlich schneller waren als die durchschnittlich mathematisch begabten Probanden. Dabei werden beide Hemisphären zur Zusammenarbeit gezwungen. Dafür waren sie im Vergleich insgesamt langsamer bei den Tests, die nur eine Seite forderten. Die Studie von Singh und O’Boyle unterstützt die Hypothese, dass das Gehirn mathematisch Begabter besonders gut darin ist, Informationen zwischen den beiden Hirnhälften weiterzugeben und zusammenzufassen.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





