Offenbar lockten die Epomis-Larven ihre Beute an, indem sie deren natürliches Jagdverhalten ausnutzten. Der Versuch des Frosches, sich die Larve mithilfe seiner hervorschnellenden Zunge einzuverleiben, scheiterte meist. Stattdessen nutzte die Käferlarve diesen Moment, um auf den Körper des Frosches zu springen und sich dort festzubeißen. Aufgrund ihrer mit doppelten Haken versehenen Mundwerkzeuge ließ sie sich nicht mehr abschütteln – und begann, Körperflüssigkeit ihres Opfers aufzusaugen. Sie saugten sie aus und verzehrten ihre Opfer bis auf die Knochen.
Nur wenige Male kam es vor, dass der Frosch die Larve verschluckte, um sie meist sofort wieder auszuspucken. In einem der insgesamt 382 Versuche würgte der Frosch die Larve erst nach zwei Stunden wieder hervor. Auch in diesen Fällen fielen die unversehrten Larven anschließend über die Amphibien her.
Durch welche Mechanismen der Evolution sich der Rollentausch von Räuber und Beute bei diesen Laufkäfern entwickelt hat und wie das Insekt der schnellen Zunge entgeht, bleibt vorerst ein Rätsel. Eine verbreitete Strategie von Insekten, sich vor ihren Fressfeinden zu schützen, ist die Tarnung oder die Produktion von Giftstoffen. In der Regel reagiert der Räuber auf solche Verteidigungen mit neuen Angriffstechniken, was zu einem biologischen Wettrüsten führt.
Dass aber ein Beutetier im Lauf der Evolution zum Räuber wird und den ehemaligen Fressfeind selbst zur Beute macht, ist eine äußerst ungewöhnliche Entwicklung.





