Zum Inhalt springen
natur - Das Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben
AnmeldenAbonnieren
  • Erde & Umwelt
  • Biologie
  • Nachhaltigkeit
  • Reportagen
  • Rezensionen
  • natur Plus
natur - Das Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben
  • Erde & Umwelt
  • Biologie
  • Nachhaltigkeit
  • Reportagen
  • Podcast
  • Rezensionen
natur-Newsletter
Aktuelle Nachrichten aus Natur und Umwelt direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Probeabo
  • Einzelheftverkauf
  • natur Marktplatz

Unsere Partner

  • Bilddatenbank natur

Info

  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Vertrag widerrufen
  • Datenschutzeinstellungen

Kontakt zur Redaktion

naturErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel: +49 (0)711 7594-5855
E-Mail: redaktion-natur@konradin.de
Folgen Sie uns
Konradin Mediengruppewissenschaft.dedamals.de
© 2026 natur
Startseite/Erde & Umwelt/Artikel
Rapider Rückzug eines antarktischen Gletschers
Erde & Umwelt

Rapider Rückzug eines antarktischen Gletschers

Das Abschmelzen von Gletschern wirkt sich gravierend auf den Anstieg des Meeresspiegels aus. Doch wie stabil oder gefährdet die Gletscher der Arktis und Antarktis sind, lässt sich bisher nur schwer voraussagen. Forschende haben nun einen Extremfall dokumentiert und untersucht: Der Hektoria-Gletscher in der Antarktis…
Autor
Elena Bernard
03. November 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Mit zunehmender globaler Erwärmung schmelzen die Gletscher an den Polen mehr und mehr ab. Beeinflusst werden sie dabei jedoch nicht nur von der Temperatur, sondern von zahlreichen weiteren Faktoren. Befindet sich beispielsweise an der Stelle, wo der Gletscher in den Ozean mündet, eine stabile Decke aus Meereis, beispielsweise in Form eines Schelfeises, schützt das den Gletscher vor Verlusten. Ein nicht vereistes, aufgewühltes Meer dagegen kann die Kalbung begünstigen – ein Prozess, bei dem große Eismassen auf einmal von einer Gletscherfront abbrechen.

Ursachen des Rückgangs

„Das Verständnis und die Vorhersage der Instabilität von Gletschern, die im Meer enden, stellt eine der größten Herausforderungen für die Prognose des künftigen Anstiegs des Meeresspiegels dar“, erklärt ein Team um Naomi Ochwat von der University of Colorado in Boulder. Um einen tieferen Einblick in die zugrundeliegenden Prozesse zu gewinnen, haben die Forschenden nun einen der gravierendsten jemals dokumentierten Eisrückgänge untersucht: Der Hektoria-Gletscher auf der östlichen Antarktischen Halbinsel verlor im November und Dezember 2022 etwa die Hälfte seiner Masse. Üblicherweise ziehen sich solche Gletscher um wenige hundert Meter pro Jahr zurück. Beim Hektoria-Gletscher waren es allein innerhalb dieser zwei Monate mindestens acht Kilometer, davon 2,5 Kilometer in nur zwei Tagen.

Doch wie kam es dazu? Auf der Suche nach einer Antwort analysierten Ochwat und ihr Team Satellitenbilder und kombinierten diese mit geophysikalischen Daten. Dabei zeigte sich: Jahrzehntelang war die Larsen-B-Bucht, in die der Gletscher mündet, von einem Schelfeis bedeckt. Doch Anfang des Jahres 2022 brach diese auf dem Meer schwimmende, am Land verankerte Eisdecke auf. „Der Rückzug des Gletschers begann unmittelbar nach dem Verlust des jahrzehntealten Schelfeises und ging mit einer fast sechsfachen Zunahme der Fließgeschwindigkeit einher“, berichten die Forschenden. Dadurch nahm die Eisdicke des Gletschers stark ab.

Teufelskreis des Eisverlusts

Ein weiterer Faktor beschleunigte den verheerenden Eisverlust: Die Gletscherfront verlor ihre Bodenhaftung. Ursprünglich reichte das Eis dort bis auf den Meeresgrund, doch als das Eis dünner wurde, wurde es zunehmend von Wasser unterspült. Der Auftrieb und die Bewegung des Meeres destabilisierten das Eis daraufhin weiter und sorgten dafür, dass große Eisbrocken abbrachen. Dieser Prozess verstärkte sich fortan selbst: „Der Verlust von Eis führt zu weniger Widerstand und daher zu einer Beschleunigung der Gletscherbewegung“, erklärt Martin Truffer von der University of Alaska, der nicht an der Studie beteiligt war. „Das führt dann zu einem Verlust der Eisdicke, da das Eis wegfließt, und zu verringerter Haftung des Eises am Untergrund. Das verursacht höhere Kalbungsraten und eine weitere Beschleunigung: eine Art Teufelskreis.“

Die Ergebnisse legen nahe, dass auch weitere Gletscher, bei denen ähnliche Bedingungen vorliegen, leicht destabilisiert werden können. Der Hektoria-Gletscher ist vergleichsweise klein, sodass sich seine massiven Kalbungen kaum auf den Meeresspiegel ausgewirkt haben. Dennoch bezeichnet Ochwats Kollege Ted Scambos die Eisverluste am Hektoria-Gletscher als Schock. „Ein derart rascher Rückzug zeigt, was auch bei größeren Gletschern auf dem Kontinent passieren könnte“, sagt Scambos. „Wenn sich in einigen anderen Gebieten die gleichen Bedingungen einstellen, könnte dies den Anstieg des Meeresspiegels erheblich beschleunigen.“ Durch ihre Erkenntnisse kann die aktuelle Studie nun dabei helfen, Klimamodelle zu verbessern, um auch plötzliche Änderungen im Kalbungsverhalten von Gletschern zu berücksichtigen.

Quelle: Naomi Ochwat (University of Colorado Boulder, USA) et al., Nature Geoscience, doi: 10.1038/s41561-025-01802-4

AntarktisEisschmelzeEisverlustGletscherHektoria-Gletscher

Mehr aus Erde & Umwelt

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Erde & Umwelt.

Alle Erde & Umwelt-Artikel
Arktische Flussdeltas – unterschätzte Akteure im Kohlenstoffkreislauf
Erde & Umwelt

Arktische Flussdeltas – unterschätzte Akteure im Kohlenstoffkreislauf

15. Juni 2026

Arktische Flussdeltas speichern überproportional viel Kohlenstoff im Permafrost ihrer gefrorenen Böden – und sind daher unterschätzte…

Geschenk aus der Tiefsee: Neue Krebsfamilie entdeckt
Erde & Umwelt

Geschenk aus der Tiefsee: Neue Krebsfamilie entdeckt

12. Juni 2026

Die Lebenswelt der Tiefsee ist noch kaum erforscht. Jetzt haben Meeresbiologen im Nordatlantik eine bislang unbekannte Familie von…

Unterirdische Wurzelpilz-Netzwerke sind Billiarden Kilometer lang
Erde & Umwelt

Unterirdische Wurzelpilz-Netzwerke sind Billiarden Kilometer lang

12. Juni 2026

Verborgene Netzwerke: Die mit Pflanzenwurzeln verbundenen Mykorrhiza-Pilze bilden ein gigantisches, weltumspannendes Geflecht. Insgesamt…

Jahrhundert-Sturmfluten ereignen sich heute alle acht Jahre
Erde & Umwelt

Jahrhundert-Sturmfluten ereignen sich heute alle acht Jahre

12. Juni 2026

Extreme Sturmfluten ereignen sich heute zwölfmal häufiger als noch im Jahr 1900, wie neue Analysen zeigen. Demnach traten solche…

← Zurück zu Erde & UmweltZur Startseite