Australische Forscher haben einen Impfstoff entwickelt, der erstmals eine Impfung gegen das West-Nil-Virus ermöglichen könnte. Die Wissenschaftler um Alexander Khromykh zerlegten dafür das Erbmaterial des Erregers in Einzelteile und fügten diese Teile anschließend neu zusammen. So konnten sie virenähnliche Partikel erzeugen, die sich genau einmal im Körper vermehren und anschließend von selbst absterben. Bei Mäusen und Pferden zeigte der neue Impfstoff bereits Erfolg.
Das West-Nil-Virus ist seit 1937 bekannt und befällt vor allem Vögel. Der Erreger kann allerdings auch auf Menschen übergreifen und schwere Entzündungen im Gehirn auslösen. Bekanntheit erlangte das Virus vor allem nach Ausbrüchen in den USA, wo es 1999 zum ersten Mal nachgewiesen wurde und seitdem rund 1.000 Todesopfer forderte. In Europa sind bislang Ausbrüche in Rumänien und der Tschechischen Republik dokumentiert, in Deutschland kam es dagegen bisher nur zu einzelnen Erkrankungen nach Urlaubsreisen, wie das Robert-Koch-Institut in Berlin auf seiner Homepage mitteilt.
Eine ungefährliche Impfung gegen das Virus ist bislang nicht möglich, da auch abgeschwächte Varianten des West-Nil-Virus zu schweren Infektionen führen können, schreiben Khromykh und seine Kollegen. Wird hingegen unvollständige Viren-DNA verwendet, um solche Komplikationen zu vermeiden, so sei der Impfschutz unzureichend, erklären die Wissenschaftler. Daher entwickelten sie eine Methode, bei der das gesamte Viren-Erbmaterial eingesetzt wird, gleichzeitig aber tatsächliche Erkrankungen so gut wie ausgeschlossen sind.
Dafür trennten sie Teile des Erbmaterials, die für die Erstellung der Virenhülle zuständig sind, von den übrigen DNA-Bausteinen. Anschließend kombinierten sie die Bestandteile neu, so dass im Körper entweder die Hülle oder die übrigen Virenproteine erzeugt werden. Damit ist es möglich, die Vermehrung des Erbmaterials auf ein einziges Ereignis zu beschränken. Eine ungewollte Neukombination des Virenmaterials im Körper, die die Fortpflanzungsfähigkeit der Viren wiederherstellen würde, sei bislang nicht beobachtet worden und als sehr unwahrscheinlich anzusehen, erläutern Khromykh und seine Kollegen.
Das West-Nil-Virus gehört zur Familie der Flaviviren, zu der auch die Erreger von Dengue-Fieber und bestimmten Formen der Gehirnhautentzündung zählen. Die Forscher hoffen, mit ihrer Methode auch Impfstoffe gegen diese Krankheiten entwickeln zu können.
Alexander Khromykh (Universität von Queensland, Brisbane) et al.: Nature Biotechnology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nbt1400 ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens





