Bei Frauen, die an grauem Star leiden, gibt es einer britischen Studie zufolge innerhalb von vier Jahren nach Erkrankungsbeginn erheblich mehr Todesfälle als bei Männern mit derselben Krankheit. Das berichtet “BBC Online”. Warum die Sterblichkeit bei den weiblichen Patienten höher ist, wissen Ärzten bisher nicht. Sie vermuten, dass Hormone eine Rolle spielen. Grauer Star (Katarakt) gehört zwar weltweit zu den Hauptursachen für Sehkraftverlust, führt aber nicht zum Tode. Bestimmte Krankheiten wie etwa Diabetes tragen zur Entstehung von grauem Star bei.
Darwin Minassian vom Institute of Ophthalmology am Londoner University College untersuchte 1.500 Patienten mit grauem Star. Vier Jahre später waren 222 von ihnen gestorben, darunter 31 Diabetiker. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Diabetiker mit grauem Star ein größeres Sterberisiko haben. Doch selbst unter den Nicht-Diabetikern war die Sterberate um 60 Prozent erhöht, wenn es sich um weibliche Patienten handelte. Die Berücksichtigung von Risikofaktoren wie Rauchen änderte nichts an den Forschungsergebnissen. “Die Resultate haben uns sehr überrascht. Der Unterschied in der Sterberate ließ sich auch durch verschiedene Untersuchungsmethoden nicht eliminieren”, erklärt Minassian.
Studien in einer indischen Provinz, in der Frauen, im Unterschied zu westlichen Ländern, bereits in jüngeren Jahren grauen Star entwickeln, zeigten jetzt einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Schwangerschaften und der Erkrankung. Eventuell verursacht eine Schwangerschaft winzige Schäden im Körper der Frau, die auch für die langsame Eintrübung der Linse beim Katarakt sorgt, mutmaßen die Forscher. Weitere Studien mit Frauen in Westeuropa sollen Klarheit bringen.
Almut Bruschke-Reimer





