Ein neuer Inhaltsstoff für Sonnencremes kann Hautschäden durch UV-Strahlen verhindern, indem er die Bildung schädlicher Substanzen in den Zellen stoppt. Diese hochreaktiven Substanzen, so genannte freie Radikale, führen zu Sonnenbrand, Entzündungen des Gewebes und im Extremfall auch Hautkrebs. Mit dem Sonnencremezusatz nehmen die Forscher um Charareh Pourzand von der Universität Bath in einem Zwischenschritt der Radikalproduktion das entscheidende Eisenteilchen gewissermaßen in die Zange. Damit ist es blockiert und es entstehen keine freien Radikale mehr.
Anders als herkömmliche Sonnencremes, die UV-Strahlen reflektieren oder absorbieren, greift die neue Substanz gezielt in den molekularen Schädigungsmechanismus in der Haut ein. Treffen UV-Strahlen auf die Haut, entstehen innerhalb der Zellen reaktionsfreudige Vorläufersubstanzen, die wiederum mit geladenen Eisenatomen reagieren und dabei die aggressiven und gefährlichen freien Radikale bilden. Die Forscher aus Bath haben nun ein Molekül entworfen, das um diese geladenen Eisenteilchen zusammenschnappt und sie so einschließt, dass alle reaktiven Bindungsstellen blockiert sind. Damit ist der Weg zum Sonnenbrand unterbrochen.
Da Eisenatome für viele Stoffwechselvorgänge notwendig sind, mussten die Forscher sicherstellen, dass die Zangenmoleküle nicht das ganze Eisen aus den Zellen fischen. Das nun von Pourzand und seinem Team vorgestellte Molekül fährt daher seine Zangen nur dann aus, wenn es seinerseits durch eine höhere Dosis von UV-Strahlen aktiviert wird. Nach vielversprechenden Labortests an Zellkulturen wollen die Forscher bald auch Sonnencremes mit dem neuen Zusatz in der Praxis untersuchen. Von den neuen Sonnencremes erhoffen sie sich einen bessern und auch längeren Schutz vor UV-Strahlen.
Charareh Pourzand (Universität Bath) et al.: Journal of Investigative Dermatology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/sj.jid.5700373 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





