Wälder gehören zu den Senken im Klimasystem der Erde – zum Aufbau ihrer Biomasse nehmen die Bäume große Mengen CO2 aus der Luft auf und binden den Kohlenstoff im Pflanzenmaterial. Damit tragen die Bäume entscheidend dazu bei, die Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu regulieren. Schätzungen zufolge sind in den Bäumen des tropischen Regenwalds rund 250 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert – dies entspricht rund 90 Jahren an globalen anthropogenen Treibhausgasemissionen und rund der Hälfte des gesamten in Biomasse gespeicherten Kohlenstoffs. Entsprechend große Bedeutung haben sie für die Stabilisierung des weltweiten Klimas. Doch die globale Erwärmung geht auch an den Regenwäldern nicht spurlos vorüber. “Zwar fördert zusätzliches CO2 das Pflanzenwachstum, aber diese positive Wirkung wird immer stärker durch negative Effekte der steigenden Temperaturen und der Trockenheit zunichte gemacht”, erklärt Erstautor Wannes Hubau vom Königlich Belgischen Zentralafrika-Museum.
CO2-Aufnahme seit den 1990er Jahren gesunken
Was dies für die Funktion der tropischen Regenwälder als Senken bedeutet, haben Hubau und seine Kollegen von mehr als 100 Forschungseinrichtungen weltweit in einer Langzeitstudie untersucht. Seit 1968 vermessen und untersuchen die Forscher dafür Bäume in 565 intakten Regenwaldgebieten am Amazonas und in Afrika. In den Testflächen erfassten sie alle Bäume mit mehr als zehn Zentimetern Stammumfang und ermittelten mithilfe eines Modells aus deren Wachstum und Größe die Menge des in Biomasse umgesetzten Kohlenstoffs. Darüber konnten sie rückschließen, wie viel CO2 diese Bäume seit der jeweils letzten Messung aufgenommen hatten.
Die Auswertungen ergaben: Im Jahr 1990 absorbierten die tropischen Regenwälder in Südamerika und Afrika rund 46 Milliarden Tonnen CO2 aus der Luft – dies entspricht rund 17 Prozent der damaligen anthropogenen Treibhausgasemissionen. Schon 20 Jahre später jedoch war die CO2-Aufnahme dieser Wälder auf nur noch 25 Milliarden Tonnen abgesunken, wie die Forscher berichten. 2010 kompensierten die Regenwälder dadurch nur noch sechs Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen. Die Tropenwälder haben demnach bereits einen Teil ihrer Pufferwirkung im Klimasystem eingebüßt. Hauptursache diese Entwicklung ist in erster Linie die Schädigung und der Verlust von Bäumen durch Dürren und Hitze. Dadurch hat sich die CO2-Bindung der einzelnen Waldgebiete um 33 Prozent vermindert. Zusätzlich verringerte sich die Fläche der intakten Waldgebiete insgesamt um 19 Prozent, wie Hubau und seine Kollegen berichten.
Hitze und Dürren als Hauptursache
“Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderung in diesen Wäldern deutet darauf hin, dass die Auswirkungen des Klimawandels in den Tropen schwerwiegender sind als erwartet”, sagt Co-Autor Bonaventure Sonké von der Universität Yaounde in Kamerun. Wie die Forscher feststellten, überwiegen die negativen Folgen von Hitze und Dürre gegenüber dem Düngeeffekt des zunehmenden CO2. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang mit dem Klimawandel, als die Wissenschaftler die Entwicklung im Amazonasgebiet und in Afrika verglichen: Während die CO2-Aufnahme im Amazonas-Regenwald schon in den 1990er Jahren abzunehmen begann, zeigte sich dieser Trend in den Tropenwäldern Afrikas erst 15 Jahre später. Hubau und seine Kollegen führen dies darauf zurück, dass die afrikanischen Wälder im Schnitt höher liegen und daher weniger stark der Hitze ausgesetzt sind. Auch Dürren kommen in diesen Waldgebieten weniger häufig vor als im Amazonasgebiet.





