Amerikanische Forscher haben geklonte Rinder erzeugt, die möglicherweise immun gegen den Rinderwahnsinn BSE sind: Ihnen fehlt die natürliche Variante des so genannten Prion-Proteins, das in einer falsch gefalteten Form die typischen Nervenschäden im Gehirn der Tiere auslöst. Die geklonten Kälber seien bis zum Alter von 20 Monaten vollkommen gesund gewesen und hätten sich praktisch nicht von ihren unveränderten Artgenossen unterschieden, so die Wissenschaftler. Ob die Tiere tatsächlich resistent gegen Prionenerkrankungen sind, können die Forscher allerdings noch nicht sagen. Tests im Labor sind jedoch bereits sehr vielversprechend verlaufen.
Prion-Proteine gibt es in zwei Varianten, die sich lediglich in ihrer Struktur unterscheiden: die natürliche, in verschiedenen Körpergeweben vorkommende Form PrP-C und die infektiöse Form, bei Rindern PrP-BSE genannt. Kommt ein PrP-C-Molekül mit einem infektiösen Partikel in Kontakt, verändert es seine Struktur und nimmt ebenfalls die ungewöhnliche Faltung der krankmachenden Variante an. In dieser Form lösen die Prionen in Gehirn und Rückenmark den Nervenzelltod aus, der die für BSE und Co typischen Symptome verursacht und in letzter Konsequenz tödlich wirkt.
Tiere, die kein PrP-C besitzen, sollten daher immun gegen Prionenerkrankungen sein ? eine These, die durch Ergebnisse deutscher Wissenschaftler an Mäusen erst vor wenigen Wochen untermauert wurde. Genau das erhoffen sich nun auch Richt und seine Kollegen von ihren neuen Gentech-Rindern. Für deren Erzeugung schalteten die Wissenschaftler in Bindegewebszellen von Rinderembryonen das Gen aus, das den Bauplan für PrP-C enthält, und verpflanzten diese Zellen anschließend in entkernte Eizellen. Diese wurden zur Teilung angeregt und dann von Kühen ausgetragen. Auf diese Weise erhielten die Forscher zwölf Kälber, in deren Körper kein PrP-C gebildet wurde.
Da noch immer nicht ganz klar ist, welche Funktion PrP-C eigentlich im Körper hat, überwachten Richt und sein Team den Gesundheitszustand und das Verhalten der Kälber intensiv, ohne jedoch Beeinträchtigungen in irgendeiner Richtung feststellen zu können. Auch war das Gehirngewebe der geklonten Rinder zumindest im Labor resistent gegen Infektionen mit BSE, ein Test, der früheren Studien zufolge die Bedingungen der BSE-Übertragung in der Natur relativ gut wiedergibt. Zwar dauert es noch einige Jahre, bis sich herausstellt, ob die Rinder tatsächlich immun sind, schreiben die Forscher. Sie glauben jedoch, dass ihre Tiere mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl für die weitere Untersuchung der Krankheit als auch für eine sichere Fleisch- und Milchproduktion geeignet sind.
Jürgen Richt (US-Landwirtschaftsministerium, Ames) et al.: Nature Biotechnology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nbt1271 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





