Momentaufnahme der Urzeit: Vor etwa 300 Millionen Jahren hatte ein Ascheregen den tropischen Wald unter sich begraben. Auf diese Weise konserviert, konnten Wissenschaftler nun nachvollziehen, wie er damals aussah ? Ast für Ast, Blatt für Blatt.
?Wir entdecken einen Ast mitsamt Blättern dran, und dann finden wir noch einen Ast, und noch einen, und noch einen. Und dann finden wir den zugehörigen Stamm. Das ist einfach aufregend?, schwärmt Hermann Pfefferkorn von der University of Pennsylvania von den Funden seiner Arbeitsgruppe. Das chinesisch-amerikanische Forscherteam hat im Norden Chinas ein insgesamt 1.000 Quadratmeter großes, fossiles Waldgebiet entdeckt.
Begraben unter einer dicken Schicht Vulkanasche verrotteten die Pflanzen nicht, sondern blieben fast vollständig erhalten ? samt Ästen, Blättern und Zapfen. Den Wissenschaftlern ermöglichte der riesige versteinerte Wald, ein Bild der damaligen Vegetation zu rekonstruieren. Demnach bildeten Baumfarne das Blätterdach, das von einzelnen, bis zu 25 Meter hohen Siegelbäumen ( Sigillaria) und Nadelbäumen ( Cordaites) noch überragt wurde. Außerdem fanden die Geologen verschiedene weitere Farne. Die meisten der Pflanzenarten sind heute jedoch ausgestorben.
Dennoch konnten die Geowissenschaftler anhand ihrer Verwandtschaft zu heute vorkommenden Farnen und Gefäßpflanzen die Paläoökologie des tropischen Waldes bestimmen. Sein Alter schätzen sie auf 298 Millionen Jahre. Das Klima zu dieser Zeit war vergleichbar mit dem von heute, sagen die Forscher. Asien befand sich jedoch weiter südlich auf dem Erdball und bewegte sich ? wie alle Kontinente ? auf den Äquator zu, wo der Superkontinent Pangaea entstand.
?Es ist wie Pompeji, das uns einen tiefen Einblick in die römische Kultur gibt, aber es kann uns nichts über die römische Geschichte an sich erzählen. Auf der anderen Seite erklärt es aber die Zeit davor und danach besser. Unser Fund ist Pompeji sehr ähnlich: Es ist eine Zeitkapsel, die es uns erleichtert, die Zeit davor und danach richtig einzuordnen?, resümiert Pfefferkorn.
Jun Wang (University of Pennsylvania, Philadelphia) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1115076109 © wissenschaft.de ? Marion Martin





