Eine Polarfuchs-Unterart auf den Kommandor-Inseln in der Beringsee gibt dem russischen Forscher D. Ryazanow derzeit Rätsel auf. Während die Polarfüchse auf der Bering-Insel prächtig gedeihen, ist die Population der benachbarten Medny-Insel akut vom Aussterben bedroht, schreibt der Forscher vom Kamtschatka-Institut für Ökologie und Natur-Management in der Fachzeitschrift Zoological Journal (Bd. 81, Nr. 7).
Die Fuchs-Population auf der Medny-Insel, die schon seit 1978 auf der Roten Liste für bedrohte Arten steht, ist von ursprünglich 600 auf etwa 50 erwachsene Tiere zusammengeschrumpft, obwohl die Unterart seit 1965 nicht mehr gejagt wird. Auf der Bering-Insel leben dagegen zwischen 1000 und 1500 Füchse einer andere Unterart, die nach wie vor im Winter wegen ihres prächtigen Fells gejagt wird. Die Felle von Kommandor-Polarfüchsen sind seit jeher gefragt, da die Tiere größer werden als Polarfüchse auf dem Kontinent.
Ryazanow stellte fest, dass das Nahrungsangebot für Füchse auf der Medny-Insel so gut ist, dass sie im Winter weder Aas fressen müssen noch gezwungen sind, über die Insel zu wandern, wie ihre Verwandten auf der Bering-Insel. Das Problem der Medny-Füchse ist der Nachwuchs: Viele Paare bekommen gar keine Jungen, oder die Welpen sterben jung. 1978 hatten Milben ein Massensterben unter den Fuchsjungen verursacht. Doch die Parasiten können nicht die Ursache für den Niedergang sein, sagt Ryazanow. Sie kommen auf der Medny-Insel schon immer vor und sind auch auf der Bering-Insel zu finden.
Der Forscher glaubt dagegen, dass die Fortpflanzungsprobleme der Medny-Füchse auf einen Verlust der genetischen Vielfalt zurückzuführen sind. Die Ahnen der heutigen Polarfüchse wurden 40 Jahre lang für die Jagd selektiert und von Menschen aufgezogen. Möglicherweise ging dabei die Widerstandsfähigkeit gegen einige Krankheiten verloren. Der Forscher regt an, eine Genanalyse durchzuführen und außerdem nach der eigentlichen Ursache für die hohe Sterberate unter dem Fuchsnachwuchs zu suchen, um die Polarfüchse der Medny-Insel vor dem Aussterben zu retten.
Ute Kehse





