Für ihre Studie sammelten die Forscher Proben aus der Luftröhre und der Kloake von 301 Adélie Pinguinen, die in zwei Kolonien auf der westantarktischen Halbinsel leben. Bei 207 dieser Vögel entnahmen die Forscher zusätzlich Blutproben. Alle Proben wurden gereinigt und die in ihnen enthaltene DNA isoliert und vervielfältigt. Anschließend prüften die Forscher, ob sich unter dem genetischen Material auch DNA von Vogelgrippe-Viren befand. Tatsächlich fanden sie in 2,7 Prozent der Proben Viren-DNA. Hurt und seinen Kollegen gelang es sogar, vier dieser Viren weiter zu kultivieren und so weiterführende Untersuchungen durchzuführen. Dies bestätigte: Einige der Pinguine waren mit einem Vogelgrippe-Virus des Typs H11N2 infiziert. “Das ist das erste Mal, dass man ein Influenza-Virus bei einem antarktischen Pinguin nachgewiesen hat”, so die Forscher.
Anders als alle anderen Influenza-Viren
Doch es kam noch überraschender: “Wir stellten fest, dass dieses Virus keinem anderen auf der Welt bekannten ähnelte”, sagt Hurt. Das zeigte der Vergleich des Virengenoms mit den in Datenbanken gespeicherten Sequenzen aller bisher bekannten Vogelgrippe-Varianten. “Alle seine Gene waren deutlich verschieden von denen der Stämme, die heute in anderen Kontinenten der Nord- oder Südhalbkugel zirkulieren”, so Hurt. Immerhin gab es aber einige entfernte Ähnlichkeiten: So gleichen zwei der Gensegmente denen von nordamerikanischen Vogelgrippe-Viren aus den 1906 bis 1980er Jahren, wie die Forscher berichten. Zwei weitere Gene zeigen eine entfernte Verwandtschaft mit südamerikanischen Influenza-Viren aus Chile, Argentinien und Brasilien. Aus den Unterschieden schließen die Wissenschaftler, dass sich die antarktische Virenvariante schon vor rund 50 bis 80 Jahren von den anderen getrennt und seither isoliert weiterentwickelt hat.
“Das zeigt, dass Vogelgrippe-Viren bis in die Antarktis gelangen können und dort in Pinguin-Populationen überleben”, erklärt Hurt. Wie diese Viren allerdings auf die eisigen Kontinent gelangten, welche Vögel ihn möglicherweise einschleppten und wie oft ein solcher Transfer geschieht, ist bisher unklar. Immerhin scheint die Infektion den Adélie-Pinguinen offenbar nicht weiter zu schaden – Krankheitssymptome bekommen sie nicht, wie die Forscher berichten. Zudem scheint diese neu entdeckte Influenza-Variante nicht auf Säugetiere überzuspringen, wie Infektionsversuche mit Frettchen ergaben. Ob es allerdings bei anderen Bewohnern der Antarktis vielleicht noch andere Influenza-Typen gibt, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen.





