Etwa 2 Millionen Deutsche sind gepierct, d. h. sie haben Stäbe oder Ringe durch die Haut gezogen. Bei vielen kommt es danach zu schweren gesundheitlichen Problemen, so dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Die Behandlungskosten erreichen einen zweistelligen Millionenbetrag, schätzt die Ersatzkrankenkasse Schleswig-Holstein.
Genaue Angaben zu den Kosten gibt es allerdings nicht, meint Günther Ploß, Leiter des Ersatzkassen-Verbandes, da die behandelten Piercing-Komplikationen vom Arzt in der Abrechnung als Wundversorgung angegeben werden. Es gibt ebenso kaum Angaben dazu, wieviele Leute gepierct sind, wieviele bleibende Schäden davontragen oder sterben.
Eine Studie zu Piercing-Komplikationen führte Heico Krause, Oberarzt am Zentralkrankenhaus Bremen, durch. Das Ergebnis zeigte, dass von 270 gepiercten Leuten etwa 50 unter Entzündungen bis hin zu Nekrosen (Absterben von Gewebe) litten. 9 Personen mussten ins Krankenhaus und 14 trugen bleibende Schäden davon.
Aufgrund der gesundheitlichen Risiken diskutieren Experten, ob zukünftig nur noch Ärzte piercen dürfen. Bisher gibt es den Beruf “Piercer” nicht und auch keine klare Ausbildung. Ein Studio kann von jedem eröffnet werden. Da es auch keine bundesweiten Hygiene-Vorschriften gibt, wurden beim Piercen auch schon Viren übertragen, berichtet Krause.
Hans Rudolph, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungs-Chirugie, drängt auf eine Klärung der Verhältnisse. Vor allem, da aus Amerika schon neue Trends kommen, die über Piercing und Tätowieren hinausgehen. Es wird dort bereits gelasert, implantiert und verbrannt. In Deutschland trat auch schon in einer Talk-Show ein “Reptilienmensch” auf. Er ließ sich ein grünes Schuppenmuster tätowieren, mit einem Laser die Zunge spalten und die Zähne zu spitzen Dolchen abschleifen. Statt Augenbrauen hatte er nur hügelige Wülste. Sein Aussehen änderte er, um seinen Lieblingstieren ähnlich zu sein.
Die Bundesärztekammer will in den nächsten Wochen eine offizielle Stellungnahme abgeben. Auch politisch hat sich bereits etwas getan. Ab Oktober 2001 gibt es eine neue Europa-Verordnung bezüglich Allergien gegen Piercings: Ein Schmuckstück, das im Körper bleibt, darf nur noch 0,05 Prozent Nickel enthalten.
Dagmar Kronenberg





