Die Zerstörung tropischer Regenwälder könnte sich durch ein Engagement der Pharmaindustrie vor Ort aufhalten lassen. Wie die Wirtschaft eines Landes von der nachhaltigen Nutzung seiner Regenwälder profitieren kann, zeigt ein Pilotprojekt von Biologen aus den USA und Panama. Das berichten die Wissenschaftler in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift Frontiers in Ecology and the Environment (S. 421).
Der Pflanzenreichtum des Urwaldes könnte für die Pharmaindustrie genutzt werden: Aus den Wirkstoffen, mit denen Pflanzen sich vor Insekten schützen, lassen sich manchmal Medikamente entwickeln. Bislang hat das so genannte ” Bioprospecting” allerdings noch nicht zur Erhaltung der Regenwälder beigetragen. Mit dem Konzept, das Tom Kursar und seine Frau Phyllis Coley von der Universität Utah gemeinsam mit Kollegen aus Panama entwickelt haben, soll das jedoch anders werden. Ihr Ansatz verbindet die Suche nach Medikamenten und die Bewahrung der Wälder mit dem ökonomischen Fortschritt in Ländern mit großer Artenvielfalt.
Nicht nur die Suche nach Wirkstoffen, sondern auch die chemische Untersuchung und Entwicklung der Medikamente sollen in den Ländern selbst stattfinden, schlagen die Forscher vor. Pharmafirmen investieren weltweit zwischen 27 und 43 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Etwa ein Drittel des Geldes fließt dabei in Forschung, die auch in Entwicklungsländern durchgeführt werden könnte, sagen die Biologen. Pharmakonzerne arbeiten weltweit mit Wissenschaftlern und kleinen Firmen zusammen. Wenn die entsprechenden Kapazitäten vorhanden sind, wäre dies auch in Entwicklungsländern möglich ? eventuell mit geringeren Kosten.
Bei dem Pilotprojekt in Panama wurden in den vergangenen fünf Jahren sechs Labore aufgebaut, einheimische Wissenschaftler und Assistenten eingestellt und Studenten die Möglichkeit geboten, ihren Abschluss im Rahmen des Projektes zu machen. Das am Projekt beteiligte Smithsonian Tropenforschungsinstitut und Wissenschaftler aus Panama erhielten vor kurzem ein provisorisches Patent für drei Wirkstoffe, die sie aus lokalen Pflanzen extrahiert hatten.
Nach ersten Tests sind diese gegen Leishmaniose wirksam, eine mitunter tödlich verlaufende Krankheit, die durch Bisse der Sandmücke übertragen wird. “Man arbeitet in den Gastländern und schafft Arbeitsplätze”, so Coley, “Der nächste Schritt für das Land ist es wahrzunehmen, dass diese Jobs von einem intakten Regenwald abhängen.”
ddp/bdw ? Katharina Vogelmann





