Jedes Jahr gelangen durch anthropogene Emissionen zwei- bis dreitausend Tonnen Quecksilber in die Atmosphäre – unter anderem aus Kohlekraftwerken, Waldbränden, Müllfeuern oder der Zementproduktion. Doch das giftige Schwermetall bleibt nicht ewig in der Luft. In der Atmosphäre wird es durch Oxidationsprozesse umgewandelt und kann dann leicht mit Regen oder Schnee zurück zur Erde transportiert werden. Dort reichert es sich vor allem als Methylquecksilber in Böden und Gewässern an und gelangt auf diese Weise auch in unsere Nahrungskette. So sind zum Beispiel viele beliebte Speisefische wie der Gelbflossen-Thun stark mit Quecksilber belastet. Doch gelangt das Quecksilber wirklich nur über Niederschlag zurück auf die Erde?
Die Rolle der Vegetation
Wissenschaftler um Martin Jiskra von der Universität Toulouse in Frankreich haben nun untersucht, ob das Schwermetall zusätzlich auch über einen anderen Weg aus der Luft entfernt werden kann: über Pflanzen. Ihnen war aufgefallen, dass die Quecksilber-Werte in der Atmosphäre teilweise deutlichen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen – ähnlichen Schwankungen, wie sie auch bei Kohlenstoffdioxid auftreten. Das Treibhausgas wird bekanntermaßen von den Blättern von Bäumen und anderen Gewächsen aufgenommen. Weil Laubpflanzen ihre Fotosynthese-Aktivität im Winter einstellen, ist die CO2-Konzentration zu dieser Jahreszeit höher als im Sommer.
Um den möglichen Zusammenhang zwischen Vegetationsperiode und Quecksilbergehalt der Atmosphäre genauer zu erforschen, wertete das Team Satellitenbilder und Daten von 50 Quecksilber-Messstationen auf der Nordhalbkugel aus, die ein großes Spektrum von marinen, über bewaldete, bis hin zu städtischen Gebieten abdeckten. Das Ergebnis: Zwischen dem Schwermetallgehalt und der über die Satellitenbilder ableitbaren fotosynthetischen Aktivität gibt es eine deutliche Korrelation. Kurzum: Je mehr Grün, desto weniger Quecksilber schwebt in der Luft. In hohen Lagen, an der Küste sowie in Städten spielt dieser Weg der Quecksilber-Sequestrierung demnach kaum eine Rolle – in Regionen mit üppiger Vegetation dafür eine umso größere.
Grüne Quecksilberpumpe
Die Forscher schätzen anhand ihrer Daten, dass die Blätter von Pflanzen weltweit jedes Jahr rund 1000 Tonnen Quecksilber aufnehmen. Das entspricht etwa der Hälfte der jährlichen anthropogenen Emissionen. “Wir gehen davon aus, dass die terrestrische Vegetation als eine globale Quecksilberpumpe fungiert und erheblich zu den saisonalen Variationen des Schwermetallgehalts in der Atmosphäre beiträgt”, schreiben Jiskra und seine Kollegen. Das durch die steigenden CO2-Werte in jüngerer Zeit angekurbelte Pflanzenwachstum kann ihnen zufolge sogar die gleichzeitig gestiegenen menschengemachten Quecksilber-Emissionen ausgleichen.





