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PFAS aus Skiwachs kontaminieren die Loipen
Erde & Umwelt

PFAS aus Skiwachs kontaminieren die Loipen

Wenn PFAS-Schadstoffe in die Umwelt gelangen, verbleiben sie dort über Jahrhunderte und schaden dabei Mensch und Natur. Trotz zunehmender Verbote werden diese „Ewigkeitschemikalien“ aber weiterhin für viele Produkte benutzt, darunter Skiwachs. Durch Abrieb beim Skifahren landen die Giftstoffe dann auf Loipen, wie…
Autor
Claudia Krapp
08. Dezember 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen – kurz PFAS – kommen in zahlreichen Alltagsprodukten vor, um ihnen bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Die Gegenstände werden dadurch beispielsweise hitzebeständig oder weisen Wasser, Fett und Schmutz ab. In Skiwachs dienen Fluor-Kohlenstoff-Verbindungen aus dieser Stoffklasse dazu, die Gleiteigenschaften des Skis zu verbessern. Allerdings ist der Einsatz von PFAS umstritten. Denn die „Ewigkeitschemikalien“ sind äußerst stabil, verbleiben Jahrhunderte in der Natur, reichern sich dort in Lebewesen an und schaden diesen. Auch für Menschen sind viele dieser Chemikalien giftig und werden mit einer Vielzahl von Krankheitsbildern in Verbindung gebracht, von Organschäden bis hin zu Krebs.

Der bislang breite Einsatz dieser Chemikalien wird daher zunehmend eingeschränkt oder verboten. Beispielsweise sind fluorhaltige Skiwachse seit der Saison 2023/2024 bei sämtlichen Rennen des Internationalen Skiverbands FIS verboten. Die Skiwachs-Hersteller haben ihr Sortiment ebenfalls auf fluorfreie Produkte umgestellt. Aber wie viel hat das Verbot von PFAS in Skiwachs bereits gebracht und wie viele der Chemikalien finden sich noch auf den Pisten und Loipen?

Foto einer Schneeprobe von der Loipe beim Engadin Skimarathon
Die Empa-Forschenden haben Schnee- und Bodenproben von der Loipe auf die sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS analysiert. © Empa

Schneeproben vom Engadin Skimarathon

Das haben nun Forschende um Markus Zennegg von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) untersucht. Dafür nahmen sie Stichproben beim Engadin Skimarathon im März 2025. Wenige Stunden nach dem Start der Läufer haben sie Schneeproben aus den verschiedenen Fahrspuren direkt nach der Startlinie entnommen, sowie weitere Proben rund zwei Kilometer nach dem Start und eine Nullprobe fernab der Loipe. Zusätzlich nahmen sie Proben von der normalen Langlaufloipe in dem Schweizer Skigebiet, die nicht Teil der Marathonstrecke war. Den Schnee untersuchten sie dann jeweils im Labor auf PFAS.

Das Ergebnis: „Wir haben relativ hohe Werte für die typischen PFAS aus Skiwachs gemessen“, berichtet Zennegg. „Das sind insbesondere die perfluorierten Carbonsäuren mit einer geradzahligen Kettenlänge von sechs bis 14 Kohlenstoffatomen.“ Am höchsten waren die Konzentrationen an der Startlinie, wo die Läufer mit frisch gewachsten Ski starteten. Nach zwei Kilometern blieben schon deutlich weniger PFAS im Schnee zurück, da die Ski ihre fluorhaltige Wachsbeschichtung durch den Abrieb rasch verlieren. Dennoch waren die PFAS-Konzentrationen auch dort messbar erhöht. In den Spuren der normalen Langlaufloipe fand das Team ebenfalls erhöhte PFAS-Konzentrationen.

Bedenklich sei dies vor allem wegen der Nähe der Loipen zum nahegelegenen Silsersee. Denn mit der Schneeschmelze im Frühling werden die Ewigkeitschemikalien ins Gewässer geschwemmt und können sich dort in den Wasserorganismen und Fischen anreichern, erklärt das Team. Später entnommene Bodenproben von denselben Orten im Engadin belegen zudem, dass die Chemikalien aus dem Skiwachs nach der Schneeschmelze auch im Erdreich und den darauf wachsenden Pflanzen landeten. „Bei den von uns gemessenen Konzentrationen besteht bereits die Gefahr, dass sich die PFAS im Fleisch der dort weidenden Rinder anreichern und zu einer Überschreitung der erlaubten Grenzwerte führen“, erklärt Zennegg.

PFAS-freie Skiwachse werden noch zu wenig benutzt

Die fluorhaltigen Substanzen im Skiwachs sollen die Langläufer schneller ans Ziel bringen. Allerdings erfüllen diesen Zweck inzwischen auch moderne fluorfreie Wachse. Die Gleiteigenschaften der Skier unterscheiden sich nach der Behandlung mit den verschiedenen Wachsen mittlerweile kaum noch. „Die Skis der zehn schnellsten Profiläufer am Engadiner Skimarathon wurden alle getestet und es wurden keine PFAS gefunden“, sagt Co-Autor Stefan Reimann von der Empa. „Offenbar kann man also auch ohne Fluor schnell sein.“

Doch woher stammen die PFAS dann, wenn nicht von den Langlaufprofis? Die Empa-Forschenden vermuten, dass vor allem viele Hobby-Langläufer weiterhin fluorhaltige Skiwachse verwenden, weil sie für das Thema noch nicht sensibilisiert wurden oder noch Restwachs zu Hause haben. „Ein Wachsblock kann für mehrere Jahre reichen und praktisch alle älteren Skiwachse enthalten PFAS“, sagt Zennegg. Er empfiehlt allen Skiläufern, der Umwelt zuliebe alte Wachse durch fluorfreie Varianten zu ersetzen, die im Handel entsprechend gekennzeichnet sind.

Quelle: Empa – Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

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