Kraftvoll, elegant und geheimnisvoll – der Jaguar (Panthera onca) ist geradezu ein Symboltier der Natur Lateinamerikas. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 185 Zentimetern ist er nach dem Tiger und dem Löwen die drittgrößte Katze der Welt. Als Spitzenräuber hat er für Ökosysteme eine wichtige Bedeutung und zudem ist der Jaguar eine sogenannte Indikator-Art: Wenn es dem Räuber gut geht, geht es auch dem jeweiligen Ökosystem gut. Die Hälfte seines ursprünglichen Lebensraums von Nordamerika bis Argentinien hat der Jaguar allerdings bereits verloren. Entwaldung, landwirtschaftliche Nutzung, Bergbau- und Energieprojekte, Waldbrände, Urbanisierung und die Wilderei treiben ihn immer mehr in die Enge. Viele der schrumpfenden Lebensräume sind außerdem voneinander abgeschnitten, wodurch die Tiere unter Inzucht leiden.
Öffentlicher Druck für den Schutz
Diese 34 Einzelpopulationen des Jaguar sind auch stark bedroht – mit nur einer Ausnahme: Im Amazonasregenwald gibt es noch vergleichsweise viele Jaguare. Sie repräsentieren 90 Prozent des gesamten Bestands. “Man muss allerdings kein Mathe-Ass sein, um zu verstehen, dass die Situation kritisch ist”, sagt Dirk Embert vom WWF Deutschland. „Den Jaguaren im Amazonas geht es zwar noch relativ gut, aber je mehr Tropenwald wir dort an den Raubbau verlieren, desto mehr Lebensraum verlieren die Jaguare in ihrem wirklich letzten Rückzugsgebiet”, so Embert.
Für den Jaguar-Schutz wurde bereits 2018 das internationale Projekt Jaguar-Roadmap 2030 ins Leben gerufen. 14 der insgesamt 18 Jaguar-Verbreitungsländer haben darin vereinbart, die 30 wichtigsten Lebensräume der Katze stärker zu schützen und miteinander zu verbinden. Außerdem sollten lokale Gemeinschaften und indigene Völker Unterstützung für die Vermeidung von Mensch-Tier-Konflikten erhalten. Seitdem habe es allerdings allenfalls minimale Fortschritte gegeben, beklagt der WWF. Die Naturschutzorganisation hat daher eine Petition gestartet, an der sich jeder online beteiligen kann. Das Ziel ist es, öffentlichen Druck und Aufmerksamkeit zu generieren, damit die 14 Regierungen in Lateinamerika ihren Zusagen nun endlich Taten folgen lassen. Darüber hinaus werden Guyana, Französisch-Guayana, Nicaragua und Venezuela aufgefordert, sich der Initiative anzuschließen.
Korridore und Kampf gegen die Entwaldung
Wie der WWF betont, ist für den langfristigen Erhalt der Populationen vor allem ein kontinentaler Korridor nötig, der die letzten Rückzugsräume der Jaguare miteinander verbindet. “Der Jaguar fühlt sich in der Savanne ebenso zuhause wie im tropischen Regenwald. Er ist ein Überlebenskünstler, der selbst Barrieren wie den Panamakanal durchschwimmen kann”, sagt Embert. Trotzdem müssen wir diesen Tieren Bewegungsmöglichkeiten bieten und der Fragmentierung der Lebensräume entgegentreten, so der WWF.





