Klima aufs Spiel gesetzt
Gerhard Petschel-Held ist ein leidenschaftlicher Spieler. Besonders strategische Brettspiele haben es ihm angetan. Er ist aber auch ein Vollblutwissenschaftler. Der 41-Jährige analysiert am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, welche Folgen der Klimawandel und die exzessive Nutzung natürlicher Ressourcen für Mensch und Umwelt haben können. Er beteiligt sich auch am Umweltzustandsbericht des United Nations Environment Program. Im letzten Jahr nun verschmolzen seine Begeisterung fürs Spielen und die Wissenschaft – und so setzte er das Weltklima aufs Spiel.
„Klimawandel ist ein sehr wichtiges Thema, das man den Bürgern aber nur schwer ohne moralischen Zeigefinger nahe bringen kann. Deshalb habe ich schon lange nach einer Möglichkeit gesucht, einen emotionalen Zugang zu dieser Thematik zu finden. Ein Spiel, das die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge vermittelt, ist dafür eine gute Möglichkeit”, sagt Petschel-Held.
Die Idee für ein Spiel trug der Physiker schon mehrere Jahre mit sich herum. Doch erst als er vor zwei Jahren auf einem Workshop mit seinem ebenfalls spielbegeisterten Doktoranden Klaus Eisenack einen freien Abend verbrachte, nahm die Idee konkrete Gestalt an. „Die Frage war: Kann man die komplexen Zusammenhänge, die den Klimawandel bestimmen, für ein Brettspiel ausreichend vereinfachen?”, sagt Petschel-Held.
Offensichtlich schon, denn die erste Auflage des Spiels „Keep Cool” war schon nach wenigen Monaten ausverkauft. Die Spieler sollen miteinander verhandeln, Lobbygruppen berücksichtigen, wirtschaftliche Interessen durchsetzen und gleichzeitig klimafreundlich handeln. Egoistisches Verhalten führt zu Dürre und Überschwemmungen, endet schließlich im Klimakollaps. Das Spiel reflektiert die Realität. Denn neue Untersuchungen von Petschel-Held haben ihn überzeugt, dass der Klimawandel dazu führen wird, dass sich bis zu 20 Prozent der Weltbevölkerung noch in diesem Jahrhundert darauf einstellen müssen, alle zehn Jahre ein Jahrhunderthochwasser zu erleben.





