Einfach bärig
Eigentlich wollte der schweizerische Biologe David Bittner Lachse in Alaska beobachten. Doch schon bei seiner ersten Reise in den hohen Norden vor vier Jahren wurde aus dem Fischliebhaber ein Bärenfan. Dabei hätte seine erste Begegnung mit den großen Raubtieren – er traf auf der Insel Kodiak auf eine Bärenmutter – schlimm ausgehen können. „Ich war beim Wandern ganz in Gedanken versunken, als plötzlich das riesige Tier vor mir stand. Auge in Auge schauten wir uns an”, erinnert Bittner sich an den größten Schrecken seines Lebens. Jetzt sei er sehr aufmerksam und lasse sich beim Beobachten sehr viel Zeit, damit die Bären sich an seine Anwesenheit gewöhnen könnten, sagt der 23- Jährige aus dem Berner Oberland.
In diesem Jahr war er zehn Wochen mit dem Kanu an Alaskas Ostküste unterwegs, hat etwa 100 Bären beobachtet und sich ihnen teils bis auf 20 Meter genähert. Außerdem hat er eine einfache, aber wirksame Methode entwickelt, sich vor ungebetenem Bären-Besuch zu schützen: Er umzäunt sein Zelt mit einem stromführenden Draht. „Die Bärenkinder suchen schnell das Weite, wenn sie mit dem Draht in Kontakt kommen”, erklärt der Nachwuchs-Forscher. „Die erwachsenen Tiere halten sowieso grundsätzlich Abstand – als könnten sie den Strom riechen.”
Beruflich ist Bittner noch nicht auf den Bär gekommen: Seine Doktorarbeit schreibt er über Felchen im Thuner See. Diese Fische haben dort häufig missgebildete Geschlechtsorgane. Bittner erforscht, ob dieses weltweit einmalige Phänomen eine genetische Ursache hat. Denn Veränderungen der Umwelt kann man weitgehend ausschließen.
So sehr ihn das Felchenproblem beschäftigt – gäbe es ein Bärenprojekt in der Schweiz, wäre Bittner sofort mit von der Partie: „Denn Fische sind mein Beruf, Bären aber meine Leidenschaft.”





