Wer weiß was?
Erdkröte, Buntspecht, Ringeltaube? Schüler von heute wissen über die heimischen Tierarten – entgegen landläufiger Meinung – erstaunlich gut Bescheid. Um herauszufinden, wie es um die Artenkenntnisse der Schüler bestellt ist, hatte der heute 37-jährige Biologie noch in seiner Funktion als Juniorprofessor an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg eine Studie mit knapp 900 Schulkindern durchgeführt. Inzwischen ist die Studie ausgewertet – und Randler als einer der ersten Juniorprofessoren auf eine ordentliche Professur berufen worden: Er lehrt Didaktik der Biologie an der Universität Mainz.
Randler gesteht, er sei zunächst skeptisch gewesen, ob die Kinder eine Erdkröte von einem Teichmolch oder einen Buntspecht von einem Grünspecht unterscheiden könnten. Denn die Vermittlung von Artenkenntnis ist aus dem modernen Biologieunterricht gestrichen worden.
Doch Randler musste sich eines Besseren belehren lassen. Die heutigen Fünftklässler kennen genauso viele Tiere wie die Schüler vor 25 Jahren. Offensichtlich können Besuche im Zoo oder bei Naturschutzzentren, Info-Fernsehsendungen, Bücher und Computerspiele genauso viel Wissen ans Kind bringen wie die klassische Wald-und-Wiesenwanderung und der frühere „ Kopf-Schwanz-Unterricht”, bei dem die Schüler heimische Tiere und Pflanzen pauken mussten.
Randler kritisiert jedoch, dass die Umsetzung von neuen, am grünen Tisch entstandenen Bildungsplänen nicht wissenschaftlich evaluiert wird. Er fordert, dass im Biologie-Unterricht mehr Freilandarbeit stattfindet, wobei sich die Kinder mithilfe von Bestimmungsbüchern selbst Sachkenntnisse aneignen sollten. „ Experimentieren ist besser als lehrerzentrierter Unterricht”, betont er. Aber auch das ist wissenschaftlich nicht belegt.
Als Nächstes will Randler eine andere „Lerngruppe” prüfen: Er plant eine Langzeitstudie, um herauszufinden, wie es um die Artenkenntnis von Biologiestudenten bestellt ist. Dabei sind die Ansprüche des Professors nicht gerade niedrig: 200 Pflanzen- und Tierarten sollten die Studenten mindestens kennen, findet er.
Randler selbst gibt dabei ein gutes Vorbild. Er ist ausgewiesener Experte für Federvieh: Über 600 Vogelarten kann er bestimmen.





