Kümmern sich Pavianväter um ihre Töchter, so werden diese schneller geschlechtsreif und bringen mehr Nachwuchs zur Welt. Das hat ein internationales Forscherteam bei Beobachtungen von Pavianen im kenianischen Amboseli-Nationalpark herausgefunden. Die heranwachsenden Pavianweibchen können sich unter dem Schutz ihrer Väter besser ernähren, erklären die Wissenschaftler um Marie Carpentier von der Duke-Universität in Durham den Zusammenhang. Paviansöhne profitieren von diesem Schutz hingegen nur, wenn die Väter einen hohen Rang innerhalb der Gruppe einnehmen.
Paviane leben promiskuitiv ? das heißt, sowohl die Weibchen als auch die Männchen paaren sich mit unterschiedlichen Partnern. Dennoch können die Männchen unter dem Nachwuchs in der Gruppe ihre eigenen Kinder erkennen, hatten Forscher um die Biologin Susan Alberts bereits vor einigen Jahren herausgefunden. Von diesem Wissen machen die Pavianväter Gebrauch und lassen ihrem Nachwuchs einen besonderen Schutz zukommen, konnten die Wissenschaftler aus Alberts Arbeitgruppe nun in ihrer neuen Studie nachweisen.
Die Forscher hatten einige Jahre lang die Daten mehrerer Paviangruppen gesammelt, die in dem Nationalpark am Fuße des Kilimandscharo lebten. Sie dokumentierten die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Tieren und zeichneten auf, wann die weiblichen Tiere Nachwuchs bekamen und die Pavianjungen ihre Geschlechtsreife erreichten. Aus der Auswertung ergab sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Präsenz der Pavianväter und dem Zeitpunkt der Geschlechtsreife des Nachwuchses.
Der Einfluss der Väter wirke sich jedoch wohl nur indirekt auf die Entwicklung des Nachwuchses aus, erklären die Wissenschafter. Genetisch starke Väter nehmen höhere Ränge in der Gruppe ein und bleiben auch überdurchschnittlich lange im Familienverbund. Entsprechend gut sei auch die genetische Ausstattung und damit die Fortpflanzungsfähigkeit des Nachwuchses dieser Väter. Doch auch die Präsenz der Väter an sich wirke sich positiv aus: Die Pavianmännchen gewähren ihren Kindern Schutz vor Übergriffen innerhalb der Gruppe, so dass die Kinder beispielsweise beim gemeinsamen Fressen nicht benachteiligt werden. Einen solchen Schutz könnten Töchter von allen Vätern, Söhne jedoch nur von ranghöheren Männchen erwarten, so die Wissenschaftler. Dies erkläre, warum nur solche bessergestellten Söhne auch schneller die Geschlechtsreife erreichen.
Marie Carpentier (Duke-Universität, Durham) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI 10.1073/pnas.0711219105 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





