Palmfarne arbeiten sowohl mit Lockstoffen als auch mit aggressiven Substanzen, um mit Pollen beladene Insekten von männlichen zu weiblichen Zapfen zu treiben. So sichern die Pflanzen ihre Fortpflanzung. Das haben australische und amerikanische Forscher herausgefunden, als sie die Bestäubung der Palmfarne durch Fransenflügler untersuchten. Die Insekten lassen sich auf männlichen Palmfarn-Zapfen nieder, um die darin vorhandenen Pollen zu fressen. Beginnt der Palmfarn, seinen Zapfen zu erhitzen, flüchten die Fransenflügler und fliegen stattdessen zu weiblichen Pflanzen, die auf die Insekten anziehend wirkende Duftstoffe ausschütten. Dabei bleiben Pollen, die am Insektenkörper kleben, an den Zapfen der weiblichen Palmfarne hängen.
Bis zu einmal im Jahr findet bei den Palmfarnen eine Bestäubungsperiode statt. Dann erhitzt der männliche Palmfarn vier Wochen lang täglich zwischen elf Uhr morgens und drei Uhr nachmittags seinen Zapfen. Bis zu zwölf Grad wärmer ist es dabei auf dem männlichen Palmfarn als in der Umgebung, erklären die Wissenschaftler. Gleichzeitig entströmt der Pflanze ein stinkender und giftiger Geruch. Das vertreibt die Fransenflügler, die zum Fressen auf dem Zapfen sitzen.
Auf der Suche nach einer neuen Nahrungsquelle werden die Insekten von den weiblichen Palmfarnen angelockt, die einen für Fransenflügler wohlriechenden Duft aussenden. Hier finden die Insekten zwar keine Nahrung, dafür hinterlassen sie aber den Pollen der männlichen Palmfarne. Am späten Nachmittag kühlt dann der männliche Zapfen wieder ab und strömt einen anziehenden Duft für die Fransenflügler aus ? damit sich die Insekten mit ausreichend Pollen beladen können, bis sie gegen Mittag wieder von der Pflanze vertrieben werden, erklären die Wissenschaftler.
Palmfarne leben schon seit knapp dreihundert Millionen Jahren auf der Erde und gelten als lebende Fossilien. Pflanzen entwickelten wahrscheinlich zuerst Duftstoffe, um Feinde abzuwehren. Später entstanden dann Arten, die mit ihrem Geruch Insekten zur Bestäubung anlockten, erklären die Wissenschaftler. Die Palmfarne seien wohl eine Zwischenstufe dieser Entwicklung.
Irene Terry (Universität von Utah in Salt Lake City) et al.: Science, Band 318, Seite 70 ddp/wissenschaft.de ? Anja Basters





