Wie hoch die Belastung weltweit durch Feinstaub und Ozon ist und wie viele Todesfälle dies verursacht, überprüften Silva und ihre Kollegen nun mit Hilfe einer Reihe von Simulationen. Sie untersuchten dabei auch, wie stark der Klimawandel den negativen Effekt dieser Schadstoffe verstärkt. Sie ermittelten dabei die Belastung durch die anthropogene Emission von Ozon mit Hilfe von 14 verschiedenen gekoppelten Klima-Atmosphärenchemie-Modellen, die Belastung durch Feinstaub mit sechs Modellen. Die Wirkung auf die Gesundheit und die dadurch verursachten Todesfälle schätzten sie mit einem weiteren gängigen Modell dafür ab.
470.000 Tote durch Ozon, 2,1 Millionen durch Feinstaub
Das Ergebnis: “Aus dem Durchschnitt der 14 Modelle geht hervor, dass jedes Jahr 470.000 Menschen weltweit durch die Zunahme des bodennahen Ozons sterben”, berichten die Forscher. Für diese vorzeitigen Tode durch Atemwegserkrankungen gebe es zudem keinen unteren Grenzwert – also keine Konzentration, ab der das Ozon keinerlei Folgen hinterlässt. Am stärksten betroffen sind die dicht besiedelten Ballungsräume Indiens und Ostasiens, dort ereignen sich 68 Prozent der Todesfälle. In Europa sterben den Berechnungen nach jährlich mehr als 32.000 Menschen vorzeitig durch erhöhte Ozonwerte. Für den Feinstaub ergaben die Berechnungen, dass dadurch weltweit jedes Jahr 2,1 Millionen Menschen mehr an Lungenkrebs und chronischen Atemwegserkrankungen sterben. Die meisten Todesfälle gibt es auch hier in den dicht besiedelten Regionen Ostasiens, Indiens und Südostasiens, aber auch Europas und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. In diesen Gebieten habe die Feinstaub-Belastung seit 1850 stark zugenommen, so die Forscher. In Europa sind rund 150.000 vorzeitige Todesfälle jährlich die Folge.
“Diesen Ergebnissen nach gehört die Luftverschmutzung zu einem der wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken überhaupt”, erklärt Koautor Jason West von der University of North Carolina. Vermutlich habe man die tatsächlichen Folgen sogar noch unterschätzt, da nur Werte für Erwachsene älter als 30 Jahren berücksichtigt wurden. Zudem schätzten die Modelle die Belastung vor allem für städtische Ballungsräume vermutlich eher etwas zu niedrig ein, weil sie kleinräumige Belastungsspitzen nicht erfassten.
Und noch etwas zeigten die Simulationen: Auch der Klimawandel trägt in einigen Regionen der Erde dazu bei, die Auswirkungen der Luftschadstoffe zu verstärken – wenn auch bisher nur wenig. Denn Temperatur, Niederschläge und Sonneneinstrahlung beeinflussen, wie viel Ozon in bodennahen Luftschichten entsteht und auch, ob Feinstaub schnell oder langsam ausgewaschen wird. Immerhin 1.500 Todesfälle durch Ozon könnten demnach jährlich auf das Konto des Klimawandels gehen, beim Feinstaub sind es 2.200. Die Abweichungen zwischen den Modellen waren allerdings in beiden Fällen sehr hoch, so dass der tatsächliche Einfluss des Klimawandels noch nicht gut abschätzbar sei, betonen die Forscher.





