Das Cyanobakterium Prochlorococcus marinus ist der kleinste und gleichzeitig häufigste photosynthetische Planktonorganismus der Erde. Der nur 0,5 bis ein Mikrometer kleine Einzeller kommt in 75 Prozent des oberflächennahen Meerwassers weltweit vor und ist für rund ein Fünftel der gesamten irdischen Sauerstoffproduktion verantwortlich. Vor allem in subtropischen und tropischen Meeresgebieten dominiert dieses Cyanobakterium. “Dort trägt es fast die Hälfte der gesamten Phytoplankton-Biomasse bei”, erklären François Ribalet von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen. Die winzige Blaualge profitiert davon, dass sie gut in warmem Wasser gedeiht, aber gleichzeitig nur wenig Nährstoffe für ihr Wachstum benötigt. Denn gerade in wärmerem Meeresgebieten ist das Meerwasser oft sehr stabil geschichtet. Wenn das Plankton dann die Nährstoffe der oberen Schicht aufzehrt, kommt nur wenig aus kühleren, tieferen Wasserschichten nach. “Das Meer in den Tropen ist abseits der Küsten so wunderschön blau, weil dort außer Prochlorococcus nur wenig lebt”, erklärt Ribalet. Das Cyanobakterium hat sich an die nährstoffarmen Bedingungen angepasst, in dem es über Millionen Jahre seine Größe verringert und sein Genom bis auf das Nötigste reduziert hat.

Messfahrten über 200.000 Kilometer
Doch trotz der großen Bedeutung von Prochlorococcus für die subtropischen und tropischen Ozeane und ihre photosynthetische Sauerstoffproduktion war bisher unklar, wie dieses Cyanobakterium auf den Klimawandel reagieren wird. “Unser Wissen darüber, wie kleines Phytoplankton auf künftige Meerestemperaturen reagiert, beruhen größtenteils auf Laborversuchen mit Modellorganismen”, erklären die Forschenden. “Aber dies kann die Komplexität der Interaktionen und ihrer genetischen Triebkräfte nicht rekapitulieren.” Deshalb haben sie seit 2003 rund 14 Jahre lang Jahren 90 Messfahrten über insgesamt 200.000 Kilometer Strecke im Pazifik durchgeführt, auf denen sie das Mikro-Phytoplankton und im Speziellen Prochlorococcus in verschiedenen Meeresgebieten und bei unterschiedlichen Wassertemperaturen untersucht haben. Ribalet und sein Team nahmen dafür Wasserproben aus drei bis acht Meter Wassertiefe und damit aus den lichtdurchfluteten, für Phytoplankton und Photosynthese entscheidenden Wasserschichten. Mithilfe eines Durchfluss-Cytometers zählten sie automatisiert, wie viele Prochlorococcus-Zellen in den Wasserproben enthalten waren. Insgesamt erfasste das Team mehr als 800 Milliarden Zellen dieses Cyanobakteriums.





