Der Finnische Meerbusen ist einer der am stärksten befahrenen und gleichzeitig riskantesten Wasserwege überhaupt. Hier manövrieren jährlich Tausende von Öltankern durch das flache, von unzähligen Untiefen und Inselchen durchzogene Gewässer. Viele Schiffsrouten kreuzen sich im Zentrum des Meerbusens, was die Gefahr von Kollisionen zusätzlich erhöht. Und im Winterhalbjahr kommen Dunkelheit und Eisbedeckung erschwerend hinzu.
Hochgefährdetes Meeresgebiet
“Die Wahrscheinlichkeit für eine Ölpest im Finnischen Meerbusen ist höher als bei den meisten anderen Meeresgebieten”, erklärt Annukka Lehikoinen von der Universität von Helsinki. “Es ist im Grunde ein Wunder, dass wir bisher noch keine größeren Ölunfälle erlebt haben.” Dies gilt vor allem angesichts der enormen Menge an Öl, die per Schiff durch diese Ostseeregion transportiert werden: Allein ein Drittel der russischen Ölexporte – rund 160 Millionen Tonnen pro Jahr – werden per Tanker über diese Meeresregion abgewickelt.
Kommt es zu einer Tankerkollision, dann wären die Folgen dramatisch. Denn diese Region der Ostsee ist ökologisch besonders sensibel. Allein im finnischen Teil des Meerbusens leben 70 Tier- und Pflanzenarten, die von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) als gefährdet oder vom Aussterben bedroht eingestuft werden. “In dem sensiblen, brackigen Ökosystem des Golfs von Finnland hätte eine Ölpest schwere und langanhaltende Konsequenzen”, so Lehikoinen und ihre Kollegen.
Wie hoch ist das Risiko?
Aus diesem Grund forschen Wissenschaftler schon seit längerem an Möglichkeiten, das Risiko für Tankerunfälle und -kollisionen und den Nutzen verschiedener Vorbeugungsmaßnahmen genauer zu ermitteln. Lehikoinen und ihre Kollegen haben nun ein neues Modell aufgestellt, das aufzeigt, wie das Risiko für eine Ölpest nach einer Tankerkollision bei steigendem Schiffsverkehr ansteigt.
“Unser Modell ist das erste, das die gesamte Kausalkette von zukünftigen Schiffsrouten über die Kollision und die resultierende Ölpest bis hin zur Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen aufschlüsselt”, so die Forscher. Der große Vorteil dieses Ansatzes liege darin, dass man so besser vergleichen könne, wie sich das Risiko durch Veränderung eines oder mehrerer Faktoren ändert.
Eine Ölpest alle 24 Jahre
Das wenig beruhigende Ergebnis: Durch den steigenden Schiffsverkehr könnte sich das Risiko einer Tankerkollision mit folgender Ölpest seit 2007 um das Vierfache erhöht haben. Eine Kollision wäre demnach inzwischen statistisch gesehen alle fünf Jahre fällig, eine daraus resultierende Ölpest alle 24 Jahre, wie die Forscher berichten. Besonders gefährdet sind dabei die Meeresgebiete vor Helsinki und vor Sankt Petersburg.





