Sich in seinem Umfeld gut auszukennen, bietet viele Vorteile: Dieses Prinzip ist auch uns Menschen bekannt und im Tierreich spielt es offensichtlich ebenfalls eine wichtige Rolle. Denn viele Arten bewegen sich nicht einfach zufällig durch die Landschaft – sie haben angestammte Heimatbereiche. Sie besitzen demnach das entsprechende räumliche Erinnerungsvermögen sowie die kognitiven Fähigkeiten, dieses zu nutzen. Es liegt nahe, dass ihnen in den angestammten Revieren dabei spezielle Ortskenntnisse zugutekommen: Sie kennen Verbindungswege, Wasser- und Nahrungsquellen oder wissen, wo Artgenossen häufig anzutreffen sind. Zudem ist anzunehmen, dass sie in ihrem Heimatbereich Gefahrenquellen kennen und meiden.
Getesteten Fasanen auf der Spur
Doch all dies beruht größtenteils auf Annahmen – experimentelle Hinweise auf den Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und Aspekten der Lebensraumnutzung gibt es bisher kaum. Diesem Forschungsthema hat sich nun ein internationales Team aus Wissenschaftlern gewidmet – und zwar am Beispiel des Fasans (Phasianus colchicus). Es ist bekannt, dass sich diese hauptsächlich am Boden lebenden Vögel innerhalb von recht klar definierten Heimatbereichen bewegen, die eine Kernzone und eine etwas weniger besuchte Peripherie aufweisen.
Für ihre Studie zogen die Forscher 126 junge Fasane auf und unterzogen sie dann im jugendlichen Alter „Intelligenztests“ mit Bezug zum räumlichen Erinnerungsvermögen und der Orientierungsfähigkeit. Unter anderem wurde dabei erfasst, wie gut sich die Tiere den Weg durch ein Labyrinth zu einer Futterquelle einprägen konnten. Es zeigte sich, dass einige Fasane dabei deutlich „cleverer“ den Weg zum Ziel wiederfanden als andere. Anschließend wurden alle Versuchstiere in einer naturnahen Umgebung mit Mischwäldern, Grasland und Ackerland freigelassen. Sie trugen dabei kleine Sender, die genau dokumentierten, welche Heimatbereiche die Fasane dort etablierten. Zudem konnten die Forscher durch das Ortungssystem erfassen, wann und wo ein Tier zu Tode kam. Anschließende Untersuchungen klärten dabei auch die jeweilige Ursache.
Wie das Team berichtet, zeichnete sich in den Datenauswertungen zunächst ein grundlegender Zusammenhang ab: Diejenigen Vögel, die bei den kognitiven Tests besser abgeschnitten hatten, etablierten vergleichsweise große Heimatbereiche – sie entwickelten einen weiteren Aktivitätsradius als Individuen mit bescheideneren Leistungen. Was die Todesfälle betrifft, zeigte sich: Etwa 40 Prozent der Fasane waren während des sechsmonatigen Untersuchungszeitraums durch Füchse erbeutet worden. Statistisch waren die bei den Tests erfolgreichen Exemplare davon etwas weniger betroffen, ergaben die Auswertungen.





