Der amerikanische Bootsmannfisch schaltet sein eigenes Gehör mit einem speziellen Mechanismus auf “taub”, während er selbst lautstark brummt. So kann er sich selbst vor Hörschäden schützen und in seinen Brummpausen weiterhin die Laute anderer Fische wahrnehmen.
Der 25 Zentimeter lange Bootsmannfisch Porichthys notatus lebt in den Gewässern entlang der amerikanischen Westküste, von Kalifornien bis hinauf nach Alaska. Während der Sommernächte produzieren die Männchen einen charakteristischen Brummton, mit dem sie Weibchen anlocken und zum Ablegen ihrer Eier anregen. Das Gebrumm ist so laut, dass Hausbootbesitzer sich schon darüber beschwert haben, da es ihre Boote nachts zum Vibrieren brachte.
Der Gehörschutz des Fisches kann funktionieren, weil Tonproduktion und Hören von der gleichen Gehirnregion kontrolliert werden. Diese sendet elektrische Signale an zwei Organe gleichzeitig: an die Schwimmblase, die dadurch zu vibrieren anfängt, und an die Haarzellen des Ohres, deren Geräuschempfindlichkeit so herabgesetzt wird.
Besonders beeindruckt waren die Forscher von der perfekten Koordination zwischen den beiden Signalen. So vibrierte die Schwimmblase immer genau in dem Moment, in dem auch die Empfindlichkeit des Ohres vermindert war. Dies war auch nicht auf den lauten Ton an sich zurückzuführen, stellte Bass und Kollegen fest: Wenn der Fisch künstlich gelähmt wurde, so dass seine Schwimmblase nicht mehr vibrieren konnte, wurden beide Signale nach wie vor synchron ausgesendet.
“Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass auch Menschen dieses Prinzip nutzen”, meint Robert Baker, Neurowissenschaftler an der New York University. Ähnliches gelte auch für andere Sinne wie Geruch und Tastsinn. “Man riecht sich selbst nie, aber jemand anderes vielleicht schon”, sagt Baker.
Nature, Online-Dienst; Originalveröffentlichung: Andreas Bass ( Cornell-Universität, Ithaca) et al.: Journal of Neuroscience, Bd. 25, S. 5967
ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein





