Ein Forscherteam um Vincent Viblanc von der Universität Straßburg hat eine Königspinguinkolonie auf Possession Island, im südlichen Indischen Ozean, beobachtet. Das Ergebnis: Die Tiere haben sich größtenteils an Menschen in ihrer Umgebung gewöhnt, seit 50 Jahren gehen Menschen auf der Insel ein und aus. Das Einfangen für Forschungszwecke ist für die Vögel jedoch nach wie vor Stress.
Das Forscherteam hat in seiner Studie zwei Gruppen von brütenden Pinguinen beobachtet und ihre Herzfrequenz gemessen: eine, die bereits seit vielen Jahren an die Anwesenheit von Forschern und Touristen gewöhnt war, und eine, die in der Vergangenheit eher selten Kontakt mit Menschen hatte. Die Tiere wurden drei verschiedenen Stressfaktoren ausgesetzt: Die Forscher näherten sich ihnen auf zehn Meter, machten laute Geräusche und fingen schließlich einige Tiere ein. Anschließend verglichen sie den Herzschlag der Tiere in beiden Gruppen.
Es zeigte sich, dass die Anwesenheit der Menschen und die lauten Geräusche den Tieren in der häufig beobachteten Gruppe kaum etwas ausmachten ? daran haben sich die Pinguine im Laufe der Jahre offenbar gewöhnt. Die Gruppe der sonst unbeobachteten Tiere lies sich hier schon mehr stressen: Ihre Herzfrequenz stieg schon bei den leichten Stressfaktoren um 30 und 60 Prozent stärker an als die der an Menschen gewöhnten Gruppe. Für beide Gruppen ist jedoch das Einfangen ein starker Stressauslöser, dabei schnellte auch bei der an die Menschen gewöhnten Gruppe die Herzschlagfrequenz um 40 Prozent nach oben. Allerdings erholte sich diese Gruppe schneller von dem Stress als die sonst unbeobachtete, berichten die Forscher. Viblanc resümiert: ?Eine zentrale Frage für Umweltschützer ist nun, in welchem Grad menschlich verursachte Störungen wie Forschung und Tourismus Auswirkungen auf die wild lebenden Tiere haben und wie dies diverse Studien beeinflusst.?
Vincent Viblanc (Universität Straßburg)et al.: BMC Ecology; doi: 10.1186/1472-6785-12-10 © wissenschaft.de – Gesa Seidel





