Es gibt ja viele Bauern, die das auch machen.
Es gibt viele Bauern, die auch Landbesitzer sind, die profitieren am meisten. Im Moment haben wir eine durchschnittliche Quersubvention durch das EEG von etwa 2000 Euro pro Hektar. Das ist ein vom Thünen-Institut errechneter Durchschnittswert und einer Studie aus dem Jahr 2012. Das ist eine Fehlsteuerung durch das Gesetz, die zu einer immer ausgeräumteren Landschaft führt. Kleine Bauern, die Lebensmittel erzeugen, werden verdrängt, die Gewinner sind die Bauern, die Betriebe, die immer mehr auf Wachstum und industrielle Maisproduktion setzen. Diejenigen, die ökologische und regionale Lebensmittel produzieren, sind die Verlierer.
Das sind also nicht nur die Biobauern, sondern auch die kleinen Familienbetriebe…
Ja, alle Betriebe gehören zu den Verlierern, die Lebensmittel mit einer vielfältigen Fruchtfolge produzieren, mit einer regional angepassten Intensität, entweder voll ökologisch oder mit wenig Dünge- und Spritzmitteleinsatz. Also alle, die vernünftig produzieren. Und das sind selbstverständlich auch viele konventionell wirtschaftende Betriebe, die mit dieser Entwicklung nicht mehr mithalten können.
Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Weil die schwarz-gelbe Bundesregierung eine Politik gegen die Ökologisierung der Landwirtschaft betreibt. Das muss man ganz klar sagen. Wir von Bioland haben bei den letzten drei Reformen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) darauf hingewiesen, dass man auch ökologische Wege, Biogas zu erzeugen, honorieren muss, und die Ausräumung der Landwirtschaft nicht fördern darf. Beispielsweise durch eine besondere Förderung von mehrjährigem Kleegras und einer ökologisch vielfältigen Fruchtfolge. Da gibt es viele Praxisbeispiele, die zeigen, dass man das so machen kann. Aber genau diesem Weg einer ökologischen Biogasproduktion hat die Bundesregierung Tür und Tor verschlossen. Und das mehrmals mit bewussten Entscheidungen. Ich würde mich freuen, wenn sie schreiben: Daran ist nur die Bundesregierung Schuld, die das EEG so ausgestaltet hat, dass nur die Agro-Industrie eine Chance hat.
Was hat die Bundesregierung im Detail gemacht?
Es geht ja um die Boni-Regelung. Im EEG ist ein Bonus auf den Strompreis festgeschrieben, wenn die Substrate aus nachwachsenden Rohstoffe bestehen – der sogenannte Nawaro-Bonus. Der ist für Silomais genauso hoch wie für Kleegras. Alle Experten sagen, es ist vollkommener Nonsense, hier keine Differenzierung zu machen. Bei Kleegras brauche ich überhaupt keine Spritz- und Düngemittel, ich habe überhaupt keine Erosion; und ich habe eine deutlich bessere Energiebilanz. Das wird nirgends berücksichtigt.


Sie kritisieren die derzeitige Biogasförderung scharf. Warum?

Jan Plagge ist Präsident ökologischen Anbauverbands Bioland e.V.
