Meere sollten sauber, gesund und produktiv sein und nachhaltig genutzt werden. Dies nennt das Umweltbundesamt einen „guten Umweltzustand“. In ihrem aktuellsten Bericht aus dem Jahr 2024 stellen Fachleute den deutschen Ost- und Nordseegewässern allerdings ein schlechtes Zeugnis aus: Sowohl die Nordsee als auch die Ostsee haben den „guten Umweltzustand“ erneut nicht erreicht. Zu viele negative Einflüsse durch den Menschen belasten demnach die Meere und die Organismen, die in ihnen leben.
Laut Bericht sind die Lebensräume im freien Wasser fast flächendeckend beeinträchtigt: In der Ostsee waren es von der Kieler Bucht bis ins Bornholmbecken rund 93 Prozent, in der Nordsee von der Elbefahne bis zur Doggerbank sogar 100 Prozent der Meeresgebiete.
Einheimische Arten bedroht
Eine Ursache ist der Nährstoffüberschuss im Wasser, der durch die Düngung in der Landwirtschaft ausgelöst wird. Algen vermehren sich durch die Düngemittel übermäßig, die Plankton-Zusammensetzung verändert sich, das Wasser wird trüber. Auch der Klimawandel, Schadstoffe wie Quecksilber und Plastikmüll beeinträchtigen die Lebewesen in Ost- und Nordsee. Auf dem Grund der Nordsee liegen beispielsweise mehr als 600.000 Kubikmeter Müll.
Die biologische Vielfalt beider deutscher Meere ist dadurch stark unter Druck. Denn diese Entwicklungen wirken sich auf das gesamte Nahrungsnetz aus. Besonders betroffen sind langsam wachsende Arten wie Haie, Rochen und wandernde Fischarten wie Stör, Aal und Lachs. In der Nordsee ist der Bestand von Glattbutt, Kabeljau, Sandaale, Seezunge und Taschenkrebs in einem schlechten Zustand. Dazu kommen schädliche nicht-einheimische Arten, die vor allem durch die Schifffahrt ihren Weg in deutsche Gewässer finden.
Der Zustand der Schweinswale ist ebenfalls besorgniserregend. Sie leiden unter der Gefahr, versehentlich in Fischereinetze zu geraten, sowie unter der Schadstoffbelastung und Unterwasserlärm. Grund für den Lärm unter Wasser ist neben dem Schiffsverkehr der zunehmende Ausbau von Offshore-Windenergie. Auch viele See- und Küstenvögel sind gefährdet, da ihr Lebensräume durch Schifffahrt und Fischerei zerstört wird und es ihnen an Nahrung fehlt.
Was kann ich selbst im Urlaub tun?
Der Urlaub an der Ost- oder Nordsee kann eine Möglichkeit bieten, um diese bedrohten Ökosysteme kennenzulernen und sie zu schützen. An der Nordsee kann man bei Wattwanderungen die einzigartigen Pflanzen und Tiere der Landschaft zwischen Meer und Land entdecken. Die Wanderung durch den Schlamm und das Beobachten von Meeresschnecken kann schon Kinder für den Naturraum begeistern. Beim eigenständigen Entdecken der Naturschutzgebiete sollten Besucher aber immer auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, um empfindliche Arten zu schützen.






