Wer sich das Rauchen abgewöhnen möchte, kann sich heutzutage mit einem Nikotinpflaster oder -kaugummis über die erste schwere Zeit hinweghelfen. Doch auch diese Produkte gefährden die Gesundheit, wie Wissenschaftler des Medical Centers der Stanford University nun in der Fachzeitschrift Nature Medicine darlegen. Denn reines Nikotin regt neben Tumorwachstum und Verstopfung der Blutgefäße auch die Neubildung von Blutgefäßen – die so genannte Angiogenese – an und sorgt damit für eine bessere Versorgung von entstehenden Tumoren mit Sauerstoff.
Die wachstumsfördernde Wirkung von Nikotin beobachtete das Forscherteam um John Cooke zuerst in der Petrischale, wo sich Hautzellen nach Nikotingabe viel häufiger teilten als normal und sich außerdem von selbst zusammenballten. Möglicherweise ist das ein erster Schritt auf dem Weg zur Bildung neuer Blutgefäße. Die anregende Wirkung bestätigte sich auch im Tiermodell, als die Forscher Nikotin in schlecht versorgte Hinterläufe von Mäusen injizierten. Nach dreiwöchiger Nikotingabe war die Dichte der Blutgefäße in diesen Geweben wesentlich höher als bei Vergleichstieren, denen man lediglich täglich eine Salzspritze verabreicht hatte.
Neben der Anregung der Angiogenese fördert reines Nikotin auch das Wachstum von Tumorzellen, wie Transplantationsexperimente von Lungenkrebszellen unter die Haut von Mäusen bewies. Tranken die Tiere nikotinhaltiges Wasser, wuchsen die entarteten Zellen schneller als in Kontrollversuchen. Auch die arterielle Plaquebildung nahm zu. Die Blockade wuchs schneller und erreichte größere Ausmaße in den so behandelten Tieren.
Die Forscher vermuten, dass sich Nikotin an ein Oberflächenprotein auf den Hautzellen anheftet und dann innerhalb der Zellen zur Ausschüttung von Botenstoffen führt, die die Bildung neuer Blutgefäße anregen. Da Nikotin seit kurzem zur Therapie von Alzheimer, Parkinson und chronischen Schmerzen eingesetzt wird, raten die Forscher, die Behandlung genau zu beobachten und eventuell zeitlich zu begrenzen, damit die negativen Wirkungen von Nikotin nicht überhand nehmen.
Dr. Dagmar Knopf





