Der Niedergang der Korallenriffe in den Weltmeeren nahm seinen Anfang schon vor Jahrhunderten mit der Jagd auf Meerestiere. Faktoren wie die globale Erwärmung, die Umweltverschmutzung und Krankheiten setzen die bereits begonnene Zerstörung fort. Das schreibt ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift Science (Bd. 301, S. 955).
Die Wissenschaftler um John Padolfi vom Smithsonian-Institut in Washington rekonstruierten anhand von historischen und archäologischen Berichten den ursprünglichen Zustand von Flora und Fauna bei 14 Korallenriffen in verschiedenen Regionen des Atlantik, des Pazifik und des Roten Meeres. Anschließend untersuchten die Forscher, wie stark sich der heutige Zustand vom ursprünglichen Aussehen der Riffe unterscheidet.
Überall auf der Erde scheint das Sterben der Riffe demnach dem gleichen Muster zu folgen, auch wenn die einzelnen Stadien zeitlich verschoben sein können. Der erste Schritt wird nach Meinung der Wissenschaftler durch der Beginn der Jagd auf große Fleisch- und Pflanzenfresser wie Robben, Schildkröten und Raubfische in der unmittelbaren Umgebung der Korallen eingeleitet. Sind diese stark dezimiert, schließt sich ein Verschwinden kleinerer Fische an. Am Ende verschwinden verschiedene Meerespflanzen, die Korallen selbst und andere so genannte architektonische Teile des Riffs.
Schon 1900 hat nach Ansicht der Wissenschaftler dieser langsame Tod bei mehr als 80 Prozent aller Korallenriffe begonnen. Sogar das Great Barrier Riff, das im allgemeinen als praktisch unangetastet gilt, sei schon zu etwa einem Drittel geschädigt, schreibt Karen Bjorndal, eine Autorin der Studie. Natürlich seien die Verluste in einem so abgelegenen Riff weniger schwer als in einem direkt an der Küste gelegenen Gebiet, in dem seit Besiedelung des Menschen eine Ausbeutung des Meeres stattfindet.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





