Blinde Menschen sind nicht einfach nur geübter in der Orientierung über das Gehör, sondern sie verfügen tatsächlich über ein sehr viel besseres Unterscheidungsvermögen für Tonhöhen. Das gilt jedoch nur für Menschen, die in frühester Kindheit erblindet sind, haben kanadische Wissenschaftler herausgefunden. Früh erblindete Versuchspersonen konnten am besten einschätzen, ob ein Ton höher oder tiefer war als der vorhergehende, berichten die Wissenschaftler um Pascal Belin von der Universität Montréal in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 430, S. 309).
Die Neuropsychologen testeten das Gehör von vierzehn Blinden, von denen sieben schon vor dem dritten Lebensjahr erblindet waren und die anderen erst im Alter zwischen fünf und fünfundvierzig Jahren. Zur Kontrolle wurde auch eine Gruppe von zwölf Sehenden getestet. Die Forscher spielten den Probanden jeweils zwei Töne vor. Die Versuchspersonen sollten signalisieren, ob der zweite Ton höher oder tiefer war als der erste.
Die Forscher erschwerten die Aufgabe, indem sie den Probanden die Töne entweder in immer kürzeren Abständen vorspielten oder immer ähnlichere Töne verwendeten. Die bereits früh erblindeten Probanden hatten die höchste Trefferquote und konnten unterschiedliche Töne bis zu zehnmal schneller erkennen als Sehende. Später erblindete Teilnehmer und Sehende erzielten jeweils ähnliche Ergebnisse, ergaben die Tests.
Grund für die guten Leistungen der früh erblindeten Menschen sei die besonders hohe Lernfähigkeit des Gehirns im Kindesalter, vermuten die Wissenschaftler. Die Studie zeige, dass Blinde über weitergehende Hörfähigkeiten verfügten als bislang vermutet.
ddp/bdw ? Benjamin Eckenfels