Michael Schumacher und Co. nehmen die Kurven von Monaco nicht deshalb besser, weil sie schneller reagieren können als andere Autofahrer. Eine neurologische Studie hat ergeben, dass Rennfahrer ihre Strecke nahezu auswendig kennen.
Der englische Neurologe Michael Land von der Universität Sussex untersuchte den Blick und die Kopfhaltung von Autofahrern und stellte fest, dass durch die Haltung des Kopfes ziemlich genau vorhergesagt werden kann, wie ein Fahrer sein Fahrzeug durch eine Kurve lenkt. Der Fahrer bedient sich dabei eines so genannten Tagentenpunkts, der auf der Innenseite der Kurve liegt und der durch den Fahrer unbewusst fixiert wird.
Und genau darin unterscheidet sich der Rennfahrer vom normalen Autofahrer. Kameraaufnahmen von Blickrichtung, Kopfhaltung und Fahrtrichtung haben gezeigt, dass ein Rennfahrer lediglich den Bereich um den Tangentenpunkt herum fixiert, ohne ihn selbst als Fixpunkt zu nehmen. Während der Hobby-Schumacher den Tangentenpunkt etwa eine Sekunde fest im Blick hat, dreht der echte Schumi lediglich leicht seinen Kopf, und die Lenkbewegung passt sich automatisch der Kopfhaltung an.
Nun geht Land davon aus, dass ein Rennfahrer unbewusst eine Skizze des Rennkurses zeichnet, um sich die Strecke einzuprägen. Wie jeder andere Fahrer auch, bedient er sich dabei der Tangentenpunktfixierung. Aber während des Rennens selbst fährt er die Strecke allein aus seiner Erinnerung heraus und weiß deshalb schon im voraus, wie er die Kurve zu nehmen hat.
Somit wäre das Lenken der Rennfahrer nicht in einzelne, aufeinanderfolgende Schritte unterteilt, sondern ein motorisch zusammenhängender Lernprozess, der Blickrichtung, Kopfhaltung und Lenkvorgang miteinander kombiniert.
Knut Zimmer





