Das müsste selbst überzeugte Spinathasser faszinieren: Amerikanische Wissenschaftler wollen mit einem Protein des grünen Blattgemüses Blinden zu neuem Augenlicht verhelfen. Der Inhaltsstoff soll den Sehfarbstoff der beschädigten Photorezeptoren der Netzhaut ersetzen können. Mit dem Pflanzenprotein, das aus dem Photosystem I der Pflanze stammt, könnte Menschen geholfen werden, die ihr Augenlicht wegen einer beschädigten Netzhaut verloren haben.
Forscher um Eli Greenbaum vom Department of Energy?s Oak Ridge National Laboratory hatten die Idee, das Spinatprotein als Photorezeptor für das Auge zu testen. Das Protein sitzt in den Spinatblättern und ist maßgeblich an der Photosynthese beteiligt. Die Forscher konnten zeigen, dass das Protein in künstliche Membranen eingebaut werden kann und dort Tageslicht in Spannungen von bis zu einem Volt umzuwandeln vermag.
Eine auf diese Weise induzierte Spannung könnte möglicherweise vom Gehirn in Bilder übersetzt werden. Darauf deuten Untersuchungen von Wissenschaftlern um Mark Humayun von der University of South California hin. Sie regten die Netzhaut von Blinden mit Netzhautschäden mithilfe winziger Elektroden elektrisch an. Viele Patienten berichteten daraufhin, Muster “sehen” zu können.
Dennoch ist zurzeit ungewiss, ob diese Erkenntnisse letztlich zu einer tauglichen Therapie führen. “Wir müssen zunächst herausfinden, ob die lichtinduzierten Spannungen die neuralen Prozesse steuern können und ob sie dem Gehirn erlauben, die Bilder zu interpretieren”, beschreibt Greenbaum den Inhalt künftiger Forschungsbemühungen.
Andrea Hoferichter





