Termiten sind engste Verwandte der Kakerlaken, haben britische Forscher in DNA-Analysen herausgefunden. Die Verwandtschaft der sozial lebenden Insekten mit den Schaben ist so groß, dass die Wissenschaftler vorschlagen, Termiten nicht mehr wie bisher als eigene biologische Ordnung zu führen, sondern sie neu den Schaben unterzuordnen. Obwohl die Termiten auch Weiße Ameisen genannt werden, sind sie mit Ameisen nur entfernt verwandt.
Wie seit längerem bekannt ist, teilen Holzschaben der Gattung Cryptocercus mit den Termiten mehrere Merkmale: Im Darm der Holzschaben und der Termiten leben die gleichen einzelligen Lebewesen und helfen ihnen beim Verdauen von Holz. Ebenso zeigen auch die Holzschaben Anfänge eines sozialen Lebens. Bisher gingen die meisten Wissenschaftler allerdings davon aus, dass die holzverdauenden Einzeller im Darm der Termiten während der frühen Entwicklungsgeschichte auch die Holzschaben besiedelten. Sie sahen keinen näheren genetischen Zusammenhang der beiden Tiergruppen.
Dies hat sich nun mit der DNA-Analyse des Teams um Daegan Inward geändert: Die Forscher untersuchten die Erbsubstanz von insgesamt 107 Schaben- und Termitenarten sowie von so genannten Fangschrecken, zu denen auch die Gottesanbeterin gehört. Wie sich dabei zeigte, sind Termiten so nahe mit den Holzschaben verwandt, dass sich eine Klassierung der Termiten innerhalb der Ordnung der Schaben aufdrängt.
Das Team um Inward geht davon aus, dass sich die sozialen Termiten aus den unsozialen Schaben entwickelt haben. Das Zusammenleben mit den holzverdauenen Einzellern ermöglichte es den Termiten, eine ökologische Nische zu besiedeln. Ihre soziale Lebensform entwickelte sich, weil die lebensnotwendigen Einzeller nur durch ein enges Zusammenleben von Generation zu Generation weitergegeben wurden, vermuten die Forscher. Eine Anpassung der Lebensform sei auch bei anderen Insekten zu beobachten: So haben sich etwa die in Völker lebenden Ameisen, Bienen und Wespen aus einzelgängerischen Raubwespen entwickelt.
Daegan Inward (Naturhistorisches Museum, London) et al.: Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2007.0102 ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin





