Wir befinden uns zwar in einer Zeit des weltweiten Artensterbens, gleichzeitig sind viele Tier- und Pflanzenarten bisher noch unentdeckt. Die Erforschung dieser verborgenen Vielfalt ist damit ein Wettlauf gegen die Zeit – ohne die intensive Arbeit von Artenforschern würden viele Lebewesen aussterben, ohne vorher jemals erkannt worden zu sein. Doch neue Tier- und Pflanzenarten werden heutzutage nicht nur auf Forschungsreisen und Expeditionen in unbekannte Regionen oder in naturwissenschaftlichen Sammlungen entdeckt. Eine zunehmende Anzahl an neuen Arten wird mittlerweile von Fachleuten auch online entdeckt, in Fotodatenbanken oder den sozialen Medien.
Fleischfressender Sonnentau im Blick
Unter den mithilfe des Internets und Laienwissenschaftlern aufgespürten Spezies gehören auch mehrere Vertreter der fleischfressenden Pflanzen. Mit ihrem oft auffälligen Aussehen und ihren gruselig-faszinierenden Beutefangstrategien wecken sie die Neugier vieler Menschen und werden entsprechend gerne fotografiert. Das wiederum führt dazu, dass Biologen oft durch Zufall im Netz auf Fotos noch unbekannter Pflanzenarten stoßen. So wurde beispielsweise der größte Sonnentau Südamerikas – Drosera magnifica – erst durch Bilder auf Facebook identifiziert. Inzwischen haben Naturfreunde und Laienwissenschaftler in sozialen Medien und Online-Datenbanken sogar schon mehr Daten geliefert als Forschungssammlungen.
Jetzt hat das Internet auch bei einem weiteren Artenfund geholfen. Das Team um Thilo Krueger von der Curtin University in Australien wollte für seine Studie nach neuen Arten des Sonnentaus suchen, einer fleischfressenden Pflanze, die ihre Beute mithilfe zahlreicher klebriger Schleimtröpfchen fängt. Insekten kleben an diesen Tröpfchen fest und werden dann von den sich einrollenden Blättern verdaut. Eine der in Australien vorkommenden Sonnentau-Arten, Drosera microphylla, steht schon länger im Verdacht, in Wirklichkeit ein Komplex aus mehreren Spezies zu sein. Auf Basis von deutlich abweichenden Blütenfarben und feinen Details in der Blattform und den Blütenstrukturen identifizierten Botaniker in den letzten Jahren tatsächlich drei verschiedene Varianten innerhalb dieser Sonnentau-Gruppe.
Neun Arten statt nur drei
Krueger und sein Team wollten nun wissen, ob es vielleicht noch weitere unerkannte Vertreter des Drosera-microphylla-Artkomplexes gibt. Dafür unternahmen sie mehrere Feldforschungstouren in Südwest-Australien, außerdem werteten sie Einträge in der Citizen-Science-Plattform iNaturalist und in den sozialen Medien aus. Und tatsächlich wurden sie fündig: Unter den von australischen Hobby-Pflanzenkundlern und Naturfotografen geposteten Fotos stieß das Team zum einen auf bisher unbekannte Standorte von schon bekannten Sonnentauarten. Bei ihrer Feldforschung in Westaustralien fanden die Forscher zudem zwei neue Arten von Drosera microphylla.





