Für viele Tier- und Pflanzenarten weltweit geht es weiter bergab: Die Zerstörung ihres Lebensraums durch den Menschen, die Verschmutzung von Gewässern und Meeren, die Verdrängung durch invasive Arten sowie durch die Wilderei und Jagd lassen ihre Populationen immer weiter schrumpfen. Doch das wahre Ausmaß dieses Artensterbens entgeht uns vermutlich, denn nur ein Bruchteil aller existierenden Spezies sind bisher in offiziellen Roten Listen erfasst.
“Unsere menschlichen Aktivtäten bringen Arten so schnell an den Abgrund, dass es fast unmöglich ist, ihren Niedergang rechtzeitig zu erfassen”, sagt IUCN-Generaldirektor Inger Andersen. Selbst die Spezies, die wir für häufig und sicher hielten, wie die Antilopen in Afrika oder die Eschenbäume in den USA, sind nun unmittelbar vom Aussterben bedroht. Unser Planet benötigt dringend ein schnelles, globales Handeln, um das Überleben der Arten und unsere eigene nachhaltige Zukunft zu sichern.”
Amerikanische Eschen in Gefahr
In der aktuellsten Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) sind inzwischen 87.967 Spezies enthalten, davon werden mehr als 25.000 als gefährdet eingestuft. Gut 5400 dieser Arten geht es so schlecht, dass sie sogar akut vom Aussterben bedroht sind. Zu diesen extrem bedrohten Spezies gehören inzwischen fünf der sechs wichtigsten Eschenarten in Nordamerika. Millionen dieser Bäume in den USA und Kanada könnte es in Kürze nicht mehr geben.
Der Grund dafür ist ein aus Asien eingeschleppter Käfer, der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis). Seine Larven entwickeln sich in der Rinde der Esche und zerstören sie dabei. Wenige Jahre später führt dies zum Tod des Baumes. Der Befall ist in Nordamerika mittlerweile so stark, dass ein Großteil der dort heimischen Eschen absterben könnten – mit fatalen Folgen.
“Eschen sind essenziell für die Pflanzengemeinschaften in den USA und wurden auch millionenfach in Gärten und entlang von Straßen angepflanzt”, sagt Murphy Westwood, Baumspezialist bei der IUCN. “Ihr Niedergang, der mehr als 80 Prozent aller Eschenbäume treffen könnte, wird die Zusammensetzung von wilden und urbanen Wäldern dramatisch verändern.”
Selbst Antilopen sind inzwischen bedroht
In Afrika sind die einst häufigen Antilopen inzwischen immer stärker gefährdet. Vier bisher als sicher geltenden Antilopenarten sind in der neuen Roten Liste als gefährdet oder stark gefährdet aufgeführt. Zu ihnen gehört auch die größte Antilopenart der Welt, die Riesen-Elenantilope (Taurotragus derbianus). Von diesem knapp drei Meter langen und mit besonders langen Hörnern ausgestatteten Huftier gibt es heute nur noch 12.000 bis 14.000 Tiere in den afrikanischen Savannen.





