Neue Krebsmittel werden von Ärzten auch ohne stichhaltige Beweise besser bewertet als herkömmliche. Wie Forscher vom Mario Negri Institut in Mailand festgestellt haben, beeinflusst der unbewusste Wunsch des Arztes nach besseren Medikamenten die Urteilskraft über die Wirkung der Testsubstanzen, berichtet die BBC am Mittwoch. Die italienischen Forscher fordern daher mehr Doppelblindstudien, bei der weder Arzt noch Patient wissen, welche Mittel vergleichend angewendet werden.
Die Forscher bewiesen den Fehler-Spielraum anhand eines Brustkrebs-Medikaments. Das Mittel wurde erstmals in den 70-er Jahren eingesetzt und die Wirkweise alle zehn Jahre erneut überprüft. Wie das Team um Rolando Fossati vom Mario Negri Institut feststellte, zeigte das Medikament anfangs eine gute Wirkung. Alle fünf Jahre sank die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten auf die Substanz ansprachen, um mehr als zehn Prozent. Die größte Abnahme gab es bei Patienten, die nur teilweise auf das Medikament reagierten. Während das komplette Verschwinden des Tumors außer Frage stand, verlief die Einschätzung, wie weit sich ein Tumor zurückgebildete, subjektiv.
In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Annals of Oncology berichten die Forscher, dass nur eine von 29 Studien, die das Brustkrebs-Medikament einbezogen haben, die Ansprüche einer Doppelblind-Studie erfüllte. Bei lediglich zwei Studien wurden die Patienten-Ergebnisse von anderen Experten begutachtet. “Wir glauben, dass Doppelblind-Studien unbedingt empfohlen werden sollen”, so Fossati. Dadurch werde eine Objektivität gewährleistet und das öffentliche Vertrauen bliebe erhalten.
pte





