Zum Inhalt springen
natur - Das Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben
AnmeldenAbonnieren
  • Erde & Umwelt
  • Biologie
  • Nachhaltigkeit
  • Reportagen
  • Rezensionen
  • natur Plus
natur - Das Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben
  • Erde & Umwelt
  • Biologie
  • Nachhaltigkeit
  • Reportagen
  • Podcast
  • Rezensionen
natur-Newsletter
Aktuelle Nachrichten aus Natur und Umwelt direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Probeabo
  • Einzelheftverkauf
  • natur Marktplatz

Unsere Partner

  • Bilddatenbank natur

Info

  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Vertrag widerrufen
  • Datenschutzeinstellungen

Kontakt zur Redaktion

naturErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel: +49 (0)711 7594-5855
E-Mail: redaktion-natur@konradin.de
Folgen Sie uns
Konradin Mediengruppewissenschaft.dedamals.de
© 2026 natur
Startseite/Erde & Umwelt/Artikel
Neue Kläranlage befreit Sickerwässer von Schadstoffen
Erde & Umwelt

Neue Kläranlage befreit Sickerwässer von Schadstoffen

Der Bergbau im Erzgebirge hinterlässt auch heute, Jahrzehnte nach seinem Ende, noch immer Spuren in der Umwelt. Mit Metallen belastete Sickerwässer fließen aus den Halden in umliegende Gewässer. Jetzt haben Forschende eine Kläranlage entwickelt, die diese Sickerwässer von den Schadstoffen reinigen kann. Erste Tests…
Autor
Claudia Krapp
22. September 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Im sogenannten Freiburger Revier im Osterzgebirge wurden über Jahrhunderte hinweg verschiedene Erze und Minerale abgebaut und verarbeitet – vom 12. Jahrhundert bis 1969. Unter den geförderten und verhütteten Edel- und Buntmetallen waren Blei, Silber und Zink sowie diverse Spurenmetalle. Mit dem Regen, der durch die aufgeschütteten Halden und Kippen floss, gelangten die Metalle auch ins sogenannte Sickerwasser und von dort weiter in die umliegenden Gewässer. Das geschieht auch heute noch, Jahrzehnte nach der Schließung der Bergwerke.

„Die Sickerwässer, mit denen wir hier arbeiten, sind auch mehr als 50 Jahre nach der Stilllegung der Spülhalde noch stark durch Aluminium, Cadmium, Zink, Mangan und weitere Metalle kontaminiert“, erklärt Sabrina Hedrich von der TU Bergakademie Freiberg. „Außerdem sind sie durch niedrige pH-Werte und hohe Sulfatkonzentrationen belastet.“ Für Menschen stellen diese Kontaminationen zwar keine Gefahr dar, für die Lebewesen in der Natur allerdings schon. Viele der Metalle sind für die Umwelt giftig.

Foto von zwei Forschenden mit einer Wasserprobe
Die Pilotanlage reinigt das kontaminierte Sickerwasser in mehreren Stufen durch eine Kombination (mikro-)biologischer und chemischer Verfahren. © TU Bergakademie Freiberg / A. Hiekel

Entgiftung in drei Stufen

Forschende um Hedrich haben daher nun eine neuartige Kläranlage entwickelt, um solche Sickerwässer zu reinigen. Ihre naturbasierte Pilotanalage ist seit Juli 2024 an der Spülhalde Hammerberg am östlichen Stadtrand von Freiberg in Betrieb. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: „Wir konnten zeigen, dass unser Verfahren in der Lage ist, Schadstoffe effizient aus dem Wasser zu entfernen“, sagt Hedrich. Die kaskadenartig aufgebaute Behandlungsanlage reinigt das kontaminierte Sickerwasser dafür in drei Stufen durch eine Kombination (mikro-)biologischer und chemischer Verfahren.

In der ersten Behandlungsstufe wird das saure Wasser über einen Kalksteinfilter geleitet und neutralisiert. Dabei wird der pH-Wert von circa 4,9 auf Werte zwischen 6,5 und 7,0 angehoben. Dadurch fällt das im Wasser gelöste Aluminium als Aluminiumhydroxid aus und kann aufgefangen werden. In der zweiten Stufe fließt das Wasser durch einen Bioreaktor, der mit einem Biomix aus Kalkstein, Holzchips, Stroh und Kompost befüllt ist. Unter diesen Bedingungen gedeihen Bakterien, die das Sulfat im Sickerwasser in Hydrogensulfid umwandeln. Dieses Sulfid sorgt wiederum dafür, dass die übrigen Metallschadstoffe als Metallsulfide ausfallen und im Biomix verbleiben. In der letzten Reinigungsstufe wird das Wasser durch ein Becken mit Pflanzen geleitet, die als natürliche Kläranlage dienen und die restlichen Schad- und Schwebstoffe herausfiltern.

Eignet sich die Anlage auch für andere Bergbau-Gegenden?

Der Strom, den die Kläranlage für ihre Pumpen braucht, stammt von einer angeschlossenen kleinen Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher. Die Wasserbehandlung selbst erfolgt passiv, erfordert keinen Strom und benötigt kaum Wartung. „Daher ist das Verfahren kostengünstig und lässt sich später auch als Großanlage natürlich in Sanierungslandschaften integrieren. Das macht es nicht nur für unsere Region, sondern auch für Bergbaulandschaften weltweit interessant“, sagt Hedrich.

Das in Freiberg entwickelte Verfahren könnte künftig auch anderswo dazu beitragen, die vorgeschriebenen Richtwerte in der EU einzuhalten. Denn laut EU-Wasserrahmenrichtlinie sollen bis 2027 alle europäischen Gewässer einen „guten ökologischen und chemischen Zustand“ erreicht haben. Bislang wird dieses Ziel aber noch in vielen Regionen Europas verfehlt. „Allein in Sachsen verfehlen über 1300 Kilometer an Bächen und Flüssen den guten Zustand aufgrund der bergbaubedingten und teilweise sehr hohen Metallbelastungen, die vom Entstehungsort flussabwärts weitertransportiert werden“, erklärt Christine Stevens vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. „Besonders betroffen sind die Einzugsgebiete der Freiberger und Zwickauer Mulde.“ Durch nachhaltige Wasserbehandlungstechnologie wie die Freiberger Kläranlage könnten die Umweltschäden des Bergbaus jedoch erheblich reduziert werden.

Quelle: Technische Universität Bergakademie Freiberg, Projekt MindMontan

AbwasserBergbauFilterFreiberger RevierKläranlageKontaminationMetallReinigungSchadstoffeSickerwässerUmweltgifte

Mehr aus Erde & Umwelt

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Erde & Umwelt.

Alle Erde & Umwelt-Artikel
Arktische Flussdeltas – unterschätzte Akteure im Kohlenstoffkreislauf
Erde & Umwelt

Arktische Flussdeltas – unterschätzte Akteure im Kohlenstoffkreislauf

15. Juni 2026

Arktische Flussdeltas speichern überproportional viel Kohlenstoff im Permafrost ihrer gefrorenen Böden – und sind daher unterschätzte…

Geschenk aus der Tiefsee: Neue Krebsfamilie entdeckt
Erde & Umwelt

Geschenk aus der Tiefsee: Neue Krebsfamilie entdeckt

12. Juni 2026

Die Lebenswelt der Tiefsee ist noch kaum erforscht. Jetzt haben Meeresbiologen im Nordatlantik eine bislang unbekannte Familie von…

Unterirdische Wurzelpilz-Netzwerke sind Billiarden Kilometer lang
Erde & Umwelt

Unterirdische Wurzelpilz-Netzwerke sind Billiarden Kilometer lang

12. Juni 2026

Verborgene Netzwerke: Die mit Pflanzenwurzeln verbundenen Mykorrhiza-Pilze bilden ein gigantisches, weltumspannendes Geflecht. Insgesamt…

Jahrhundert-Sturmfluten ereignen sich heute alle acht Jahre
Erde & Umwelt

Jahrhundert-Sturmfluten ereignen sich heute alle acht Jahre

12. Juni 2026

Extreme Sturmfluten ereignen sich heute zwölfmal häufiger als noch im Jahr 1900, wie neue Analysen zeigen. Demnach traten solche…

← Zurück zu Erde & UmweltZur Startseite