Trotz jahrzehntelanger Schutzbemühungen ist die Population des Nördlichen Breitmaulnashorns (Ceratotherium simum cottoni) mittlerweile auf lediglich zwei Weibchen geschrumpft. Najin und ihre Tochter Fatu leben in der kenianischen Ol Pejeta Conservancy. Die Situation scheint hoffnungslos. Selbst ein Männchen dieser in freier Wildbahn bereits ausgestorbenen Spezies könnte die Lage nicht verbessern, denn weder Najin noch Fatu können aufgrund ihres Alters beziehungsweise gesundheitlicher Probleme schwanger werden. Das internationale BioRescue-Konsortium erforscht deshalb modernste Reproduktionstechnologien, um die Art trotzdem am Leben zu erhalten.
Eizellen, Embryonen und jede Menge Hoffnung
Seit ziemlich genau sechs Jahren entnimmt das Team zu diesem Zweck Eizellen von Fatu, um daraus lebensfähige Embryonen zu erzeugen. Das männliche Erbgut dafür kommt aus dem tiefgefrorenen Sperma verstorbener Bullen. Seit August 2019 haben die Wissenschaftler aus 21 von Fatus Eizellen insgesamt 38 Embryonen erzeugt, die ausschließlich das Erbgut Nördlicher Breitmaulnashörner in sich tragen. Drei dieser Embryonen stammen allein aus dem laufenden Jahr und sollen nun in Leihmütter des Südlichen Breitmaulnashorns, einer nahe verwandten Art, übertragen werden. Ob das gelingt, ist allerdings noch fraglich, denn bisher konnte bei den Leihmüttern noch keine dauerhafte Schwangerschaft erreicht werden. Im Dezember 2024 deutete Schleimbildung in der Gebärmutter eines Empfängertieres zwar auf eine Schwangerschaft hin, doch diese hielt nicht an.
Solche Rückschläge seien in der Arbeit mit stark gefährdeten Arten aber keine Seltenheit und verdeutlichten, wie komplex die Reproduktionsbiologie von Nashörnern sei, betonen die Wissenschaftler. Das BioRescue-Team betrachtet jeden Versuch daher als wichtigen Schritt, bei dem es stetig dazulernt. Ein weiterer positiver Effekt der wiederholten Eizellentnahmen ist, dass Fatus Eierstöcke offenbar gesünder werden – ein Phänomen, das als „Ovariale Reinigungstherapie“ bezeichnet wird. Vielleicht trägt all das nun dazu bei, dass die drei neuen Embryonen zu erfolgreichen Schwangerschaften führen.
Wissenschaft trifft Medien
Neben den in Ol Pejeta durchgeführten Verfahren und der Embryonenproduktion arbeitet das BioRescue-Konsortium auch an Stammzelltechnologien, um die genetische Vielfalt einer künftigen Gründerpopulation des Nördlichen Breitmaulnashorns zu vergrößern. Japanische und deutsche Forschende konzentrieren sich dabei auf die Erzeugung funktionsfähiger Eizellen und Spermien aus sogenannten pluripotenten Stammzellen. Das übergeordnete Ziel dieser Bemühungen ist die Wiederansiedlung des Nördlichen Breitmaulnashorns in seinem ursprünglichen Lebensraum.





