Das Gehirn benötigt neue Nervenzellen unter anderem für die Gedächtnisbildung. Das haben Tracey Shors von der Rutgers University/New Jersey und Elizabeth Gould von der Princeton University in Versuchen mit Ratten gezeigt. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der Zeitschrift Nature veröffentlicht.
Die Ergebnisse ihrer neuesten Arbeiten zeigen, dass im Hippocampus neu entstandene Nervenzellen direkt an der Gedächtnisbildung beteiligt sind. Der Hippocampus ist eine Gehirnregion, die unter anderem an der Speicherung neuer Informationen beteiligt ist.
In den Experimenten wurden Ratten darauf konditioniert, auf ein akustisches Signal mit einem Augenblinzeln zu reagieren. Wenn nach dieser Lernphase durch einen injizierten Hemmstoff neu gebildete Nervenzellen im Hippocampus abgetötet wurden, ging die Erinnerung an das Erlernte verloren. Andere Gedächtnisinhalte blieben erhalten. “Es sieht so aus, als ob neue Hirnzellen ein bis zwei Wochen nach ihrer Entstehung eine Rolle bei der Gedächtnisspeicherung spielen”, sagt Shors.
Die Forschungsergebnisse sind möglicherweise für Patienten von Bedeutung, die unter Gedächtnisverlust leiden, weil Teile des Gehirns aufgrund von Krankheit oder Verletzung abgestorben sind. Denn eine Behandlung durch Implantation neuer Nervenzellen hätte nur dann Erfolg, wenn diese neuen Zellen in das komplex verschaltete Gehirn eines Erwachsenen integriert werden. Dass diese Integration prinzipiell möglich ist, haben die Forscherinnen jetzt nachgewiesen.
In einer früheren Untersuchung hatten die Wissenschaftlerinnen bereits gezeigt, dass die meisten neu gebildeten Gehirnzellen bei Ratten innerhalb weniger Wochen wieder zugrunde gehen. Aber durch Lernprozesse, an denen der Hippocampus beteiligt ist, konnte deren Überlebensrate verbessert werden.
Joachim Czichos





