Aus Erfahrungen der Sandkasten-Zeit oder vom Burgenbau am Strand wissen wir: Aus trockenem Sand kann man keine stabilen Strukturen errichten und in das rieselnde Material lassen sich erst recht keine Tunnel graben. Um dies zu ermöglichen, muss der Mensch zu bautechnischen Stabilisierungsmaßnahmen greifen. Genau das machen auch winzige Bewohner der Wüsten und Küstendünen des Mittelmeerraums und Südafrikas, berichten die Forscher um Dominique Zimmermann vom Naturhistorischen Museum Wien. Es handelt sich bei diesen nur wenige Millimeter großen Insekten um Arten aus der Familie der Pollenwespen.

Ähnlich wie Bienen ernähren alle Vertreterinnen dieser Insektengruppe ihre Larven mit Blütenstaub, den sie von den Pflanzen ihrer Heimat einsammeln. Es handelt sich allerdings nicht um staatenbildende Bestäuberinsekten – sie leben allein und bauen ihre Nester nur für den eignen Nachwuchs. Die meisten Pollenwespen-Arten graben dazu Tunnel und Brutkammern in lehmige Böden oder verwenden den Lehm, um oberirdische freie Brutzellen an Felsen zu bauen. Doch die Vertreterinnen der vor allem im Mittelmeergebiet und im südlichen Afrika vorkommenden Gattung Quartinia haben sich auch Lebensräume erschlossen, wo es diese Nestbaumöglichkeiten nicht gibt: Sie können ihre Nester auch im losen Sand errichten.
Raffiniert stabilisierte Neströhren
Es war bereits bekannt, dass die Hohlraumstrukturen der Nester der Quartinia-Pollenwespen ihre Stabilität feinen Seidengespinsten zu verdanken haben. Doch bisher waren kaum Details darüber bekannt, wie die Insekten diese Strukturen hervorbringen. Dabei betonen Zimmermann und ihre Kollegen, dass während die Produktion von Seide bei Larven recht häufig vorkommt, sie bei ausgewachsenen Insekten kaum bekannt ist. Die Biologen konnten nun zeigen, durch welche Anpassungen die weiblichen Quartinia-Pollenwespen ihre Nester mittels selbst produzierter Seide als Bindemittel im Sand errichten können.
Wie sie berichten, wurden sie bei der Suche nach speziellen Körperstrukturen zur Seidenproduktion am Kopf der Insekten fündig. Dazu war ausgesprochene Feinarbeit nötig: „Um die Gewebe zu untersuchen, wurden die winzigen Köpfe erst in Kunststoff eingebettet und dann Serien von dünnen Schnitten mit einem Diamantmesser an einem Ultramikrotom angefertigt“, sagt Zimmermann. „Wir haben dann systematisch die Oberflächen mit dem Rasterelektronenmikroskop abgesucht und ergänzt wurden die Untersuchungen durch den Einsatz eines Mikro-Computertomographen“, berichtet die Forscherin.






