Erst kürzlich hatten Forscher das funktionelle Gegenstück zum Ohr der Fledermaus genauer untersucht: die Kehlkopfmuskeln, die die Ultraschalllaute erzeugen. Experimente mit isolierten Muskelfaserbündeln zeigten, dass diese sich bis zu 200 Mal pro Sekunde zusammenziehen können. Bisher waren solche Muskelleistungen bei Säugetieren nicht bekannt, sagen die Wissenschaftler um Coen Elemans von der Universität von Süddänemark in Odense, die diese Untersuchung durchführten. Beim Sturzflug auf Beute können Fledermäuse durch diese Muskelleistung ihre Ruf-Frequenz auf bis zu 190 Töne pro Sekunde steigern. Wie die aktuelle Studie zeigt, werden die Echos dieser Töne dann von den blitzschnell umgeformten Ohren der Tiere optimal empfangen. Dieses System superschneller Muskeln ist also offenbar das Geheimnis des faszinierenden Biosonars der nachtaktiven Gesellen.
Die ungewöhnlichen Eigenschaften der Fledermäuse haben diese bizarren Säugetiere schon früh zu einem Objekt der Wissbegierde des Menschen gemacht. Lange nahm man an, dass Fledermäuse über extrem gute Augen verfügen, ähnlich wie Eulen. Im 18. Jahrhundert unternahm der italienische Wissenschaftler Lazzaro Spallanzani dann erste Experimente, um dem Phänomen genauer auf die Spur zu kommen. Er ließ Fledermäuse und Eulen in absolut dunklen Räumen fliegen, in denen er Seile als Hindernisse gespannt hatte. Während die Eulen orientierungslos gegen die Seile prallten, fanden sich die Fledermäuse immer noch problemlos zurecht. Dann blendete der Forscher sie und führte den Versuch erneut durch. Doch nach wie vor flogen die Fledermäuse gewandt zwischen den Seilen hindurch. Als Spallanzani den Fledermäusen allerdings auch noch die Ohren versiegelte, fielen sie orientierungslos zu Boden. Damit hatte er gezeigt, dass sich die Tiere mithilfe des Gehörs orientieren ? wie blieb allerdings weiter lange unklar. Erst die Entwicklung von Schalldetektoren für Hochfrequenztöne offenbarte in den 1930er Jahren schließlich die wahre Beschaffenheit des Fledermaussonars ? die Rufe der Tiere wurden für das menschliche Ohr hörbar.





