Allen hier ist bewusst, dass die Arktis ein Paradies mit Schwindsucht ist. Der Naturfotograf Norbert Rosing bewies eindrucksvoll mit seinen Bildern aus Jahrzehnten in der Arktis, wie traurig dieser Verlust wäre. Seine Polarfüchse, Belugas, Moschusochsen und natürlich die Eisbären zeigen, wieviel Leben sich hier oben tummelt.
Im Gegensatz zu gestern sind die Platten nun massiger, fast könnte ein sportlicher und mutiger Polarforscher von Scholle zu Scholle hüpfen. Ideal, um hier unsere Eismessungen vorzunehmen, denn unser persönlicher Polarforscher Dirk Notz hat Ausrüstung mitgebracht, um den Eisplatten Daten zu entlocken. Bislang gibt es nicht viele Informationen darüber, wie sich die Physik des Eises im Sommer verhält. Wir wollen mithelfen, diese Lücke zu füllen, damit die Klimamodelle noch besser werden.
Dazu wurden wir in mehreren Gruppen auf einer schnuckeligen Scholle abgesetzt, so schätzungsweise 50 mal 30 Meter groß. Zunächst galt es mit dem Eisbohren ein zehn Zentimeter weites Loch ins Eis zu bohren. Der Bohrkern wurde dann aud dem Loch gezogen und in bestimmten Abständen angebohrt, um die Temperatur in den verschiedenen Tiefen zu ermitteln. Anschließend zersägten wir die Eisstange in handliche Stücke, um sie schmelzen zu lassen und dann den Salzgehalt messen. Hört sich einfach an, ist aber tatsächlich Knochenarbeit, denn der Bohrer brauchte einige Bestimmheit, damit er ins und durchs Eis geht. Obendrein war unsere Scholle – erfreulicherweise – mehr als 1,70 Meter dick, nämlich drei Meter. Wer bohrte, konnte sich zumindest nicht über Kälte beschweren.
Abseits des Bohrlochs und den notierenden und messenden Hilfswissenschaftlern ist Zeit gewesen, an den Rand der Scholle zu treten und aufs Eis zu schauen. Hervorgetan hat sich besonders unsere Bohrmannschaft aus dem Rheinland.
Später hat Giovanni, einer der Matrosen an Bord einen Bären entdeckt. In voller Fahrt, ungefähr eine Ewigkeit weit weg. Unglaublich. Zwanzig Minuten hat es gedauert, bis wir anderen auf der Brücke den Bären auch gesehen hatten.
Ein Männchen, aber nicht sehr kooperativ. Und so haben wir ihn bald wieder in Ruhe gelassen. Dennoch: Spannend ist jede Begegnung mit Eisbären.
Packendes Eis





