Die einheimische Ringelnatter und die ostasiatische Tiger-Wassernatter wehren Feinde nur sehr selten durch aggressive Verhaltensweisen ab. Bei der Tiger-Wassernatter konnten amerikanische Wissenschaftler von der University of Tennessee darüber hinaus nachweisen, dass es von der Temperatur abhängt, wie sich die Schlange gegen ihre Feinde wehrt (Ethology 107 (9), 795-811).
Die Tiger-Wassernatter (Rhabdophis tigrinus) zeigte bei niedrigen Temperaturen eher passive Verteidigungsreaktionen: Sie stellte sich tot (Akinese) oder flachte Hals oder Körper ab. Fühlte sich das Tier bei höheren Temperaturen bedroht, ergriff es vorzugsweise die Flucht. Die Wissenschaftler vermuten, dass das wechselwarme Tier bei geringen Temperaturen auf seine Nackendrüsen vertraut, die giftige Sekrete ausscheiden. Abwehrbisse konnten die Forscher sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Temperaturen nur sehr selten beobachten.
Noch friedlicher zeigte sich die in Europa, Nordwestafrika und Westasien beheimatete Ringelnatter (Natrix natrix) bei in Ungarn durchgeführten Studien (Salamandra 37 (2), 117-121). Kein einziges Exemplar biss zur Verteidigung zu. Nur einmal führte eine Ringelnatter einen symbolischen Biss aus: Die Schlange schlug mit dem Kopf in Richtung des Angreifers, ohne jedoch zuzubeißen.
Die einzige häufiger gezeigte, aber überaus harmlose Offensivreaktion bestand darin, dass die Ringelnattern den Angreifer anzischten. In den meisten Fällen versuchten diese Schlangen, sich ihre Feinde durch die Absonderung stinkender Sekrete aus der Analdrüse vom Leib zu halten. Manchmal spieen die Ringelnattern auch Nahrungsstücke wieder aus, oder sie stellten sich tot.
Dr. Sebastian Messerschmid





