Die Neigung zur Leberzirrhose ist erblich: In einer bestimmten Ausprägung beschleunigt das Gen, das die Informationen für ein Eiweiß namens C5 enthält, das Voranschreiten der Lebererkrankung. Das hat ein Team deutscher Mediziner bei Mäusen entdeckt. Auch beim Menschen konnten Frank Lammert von der Universität Bonn und seine Kollegen dies bereits bestätigen. Außerdem haben sie einen Eiweißstoff gefunden, der das Fortschreiten der Organzerstörung verzögern kann.
Krankheitserreger wie Hepatitis-Viren oder ständiger Alkoholmissbrauch können zu einer chronischen Entzündung der Leber führen, wodurch das Gewebe des Organs zunehmend vernarbt. Im Endstadium dieser so genannten Fibrose kommt es dann zur Zirrhose, die eine der häufigsten Todesursachen unter 25- bis 40-Jährigen ist. Wie schnell die Vernarbung der Leber fortschreitet, hängt neben dem Lebenswandel auch von den Genen ab. Lammert und seine Kollegen haben nun entdeckt, welches Gen genau dafür verantwortlich ist.
Die Mediziner analysierten das Erbgut von Mäusen, die unterschiedlich anfällig für den Leberverfall waren. Bei Tieren, denen ein funktionsfähiges Gen für C5 fehlte und die den Eiweißstoff daher nicht bilden konnten, schritt die Vernarbung der Leber nur sehr langsam voran. Als die Forscher den Nagern aber das Gen einschleusten, entwickelten sie eine eindeutige Fibrose. C5 ist ein Protein des Immunsystems, das Entzündungen zur Abwehr von Krankheitserregern hervorruft. Wird ein Infekt aber chronisch, schadet die andauernde Entzündung mehr als sie nutzt, was zur Vernarbung der Leber führt.
Die Wissenschaftler untersuchten auch menschliche Patienten mit chronischer Hepatitis. Diejenigen, die eine ausgeprägte Fibrose hatten, besaßen häufig ein charakteristisch verändertes Gen für C5. Außerdem ist es den Medizinern gelungen, einen Eiweißstoff zu entwickeln, der die Wirkung von C5 dämpft und damit die Narbenbildung deutlich verlangsamt. Bei Mäusen haben sie das Protein bereits erfolgreich getestet. Nun hoffen sie, dass sich das Prinzip auch bei menschlichen Patienten als wirksam erweist.
Frank Lammert ( Universität Bonn) et al.: Nature Genetics, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/ng1599
ddp/wissenschaft.de ? Cornelia Dick-Pfaff





