Die Nanotechnologie verspricht viele grundlegenden Fortschritte in der Materialforschung, für die Elektronik und in der Medizin. Doch zunehmend werden die Risiken der Millionstel Millimeter winzigen Teilchen diskutiert und untersucht. Eine unsichtbare und möglicherweise fatale Auswirkung der Partikel auf die Gesundheit soll von vornherein ausgeschlossen werden. US-Forscher von der Rice University in Houston setzten dazu lebende Hautzellen unterschiedlichen Konzentrationen an Nanoröhrchen aus Kohlenstoff, dem zentralen Werkstoff der Nanoforscher, aus.
“Für medizinische Anwendungen ist es wichtig, dass die Zelltoxizität von Nanoröhrchen sehr gering ist”, sagt Vicki Colvin vom Center for Biological and Environmental Nanotechnology (CBEN) at Rice. Mit ihren Kollegen vermischten sie menschliche Hautzellen im Laborversuch mit einwandigen Nanoröhrchen aus Kohlenstoff. Bei einer Konzentration von nur 200 auf eine Milliarde Teilchen (ppb – parts per billion), starb die Hälfte der Hautzellen beim Kontakt mit den Nanoteilchen binnen 48 Stunden ab. Ohne Sicherheitsvorkehrungen können diese geringen Konzentrationen bei Laborarbeiten leicht erreicht werden.
Für die Giftigkeit scheint jedoch die Oberfläche der Nanoröhrchen eine große Rolle zu spielen. Denn zelltoxisch zeigten sich nur die reinen Hohlkörper. Hingen jedoch Molekülketten aus organischen Substanzen an den Partikeln, sank die Giftigkeit um das Zahntausendfache. “Damit haben wir einen Hinweis darauf, wie man die Toxizität von Nanopartikeln aus Kohlenstoff für Zellen dramatisch reduzieren kann”, sagt Kevin Ausman, Direktor von CBEN.
Studien dieser Art sind für das boomende Forschungsfeld der Nanotechnologie von großer Bedeutung. Spätestens bei kommerziellen Anwendungen müssen die Risiken der Nanotechnologie offen liegen. Sonst könnte der gesamte Technologiezweig in Misskredit geraten und die ebenfalls großen Chancen der Nanotechnologie ungenutzt bleiben. In Deutschland widmen sich auch bereits Forscher den Risiken der Nanotechnologie. Auch das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag veröffentlichte bereits erste Berichte über die Gefahren der Nanotechnologie.
Vicki Colvin (Rice University in Houston) et al.: Toxicology Letters (doi:10.1016/j.toxlet.2005.08.011 ) . Jan Oliver Löfken





