Die Droge Crystal Meth – chemisch gesehen ein Methamphetamin – ist tückisch: Einmal eingenommen, sorgt sie sehr schnell für Überflutung des Gehirns mit dem Glückshormon Dopamin. Das löst eine rauschähnliche Euphorie aus, man fühlt sich wacher und leistungsfähiger und empfindet weder Hunger noch Durst. Nach dem Rausch allerdings folgen meist Depression und Lethargie – und die Gier nach einem erneuten Hoch. Als Folge führt Methamphetamin sehr schnell zu psychischer Abhängigkeit und löst bei regelmäßiger Einnahme nach relativ kurzer Zeit auch einen körperlichen Verfall aus. Das Problem: Während es bei Opiaten wie Heroin und auch bei Alkohol Mittel gibt, die die Wirkung der Droge blockieren und auch beim Entzug helfen können, ist dies bei Crystal Meth nicht der Fall. Das Problem: Die Droge wirkt auf zahlreiche verschiedene Stellen im Gehirn, so dass ein Molekül nicht ausreicht, um die Effekte zu blockieren. Allerdings laufen bereits einige Tests mit auf Antikörpern und Nanopartikeln basierenden Mitteln.
Zheng-Xiong Xi von den US National Institutes of Health in Baltimore und Kollegen aus China haben nun einen ganz neuen Ansatz gegen Methamphetamin vorgestellt: Nanoröhrchen. Vorhergehende Studien haben gezeigt, dass Nanoröhrchen einen neuroprotektive Wirkung entfalten können und zudem den Botenstoff Dopamin absorbieren und seinen Abbau beschleunigen können. “Wir haben daher die Hypothese aufgestellt, dass einfachwandige Kohlenstoff-Nanoröhrchen auch in der Behandlung der Drogensucht nützlich sein könnten, weil sie das dabei freigesetzt Dopamin absorbieren und oxidieren”, erklären die Forscher. Um das zu testen, machten sie zunächst Mäuse von Crystal Meth abhängig und gaben ihnen die Möglichkeit, sich über Drücken eines Hebels jederzeit eine weitere Dosis zu verschaffen. Dann spritzten sie einem Teil der Tiere eine kleine Menge von Nanoröhrchenbündeln in das Nervenwasser des Gehirns. Schon 30 Minuten später zeigte sich eine deutliche Wirkung: Während die Kontrollmäuse weiterhin den Hebel bedienten, um Drogennachschub zu bekommen, ließ dieses Suchtverhalten bei den mit Nanoröhrchen behandelten Mäusen stark nach.
Keine Lust mehr auf die Droge
Als nächstes testeten die Forscher, ob die Nanoröhrchen auch das Risiko für einen Rückfall nach einem Entzug verringern können. Dafür entzogen sie den süchtigen Mäusen drei Wochen lang jedes Methamphetamin. Einige Mäuse erhielten dann eine Dosis Nanoröhrchen, bevor sie wieder in den Versuchskäfig mit den Hebeln gesetzt wurden. Und tatsächlich: “Die Vorbehandlung mit Nanoröhrchen blockierte das drogensuchende Verhalten nahezu vollständig”, berichten Xi und seine Kollegen. Statt sich sofort wieder auf die drogenliefernden Hebel zu stürzen, wie es die Kontrollmäuse taten, zeigten die behandelten Mäuse dieses typische Suchtverhalten nicht. Dieser Effekt hielt mindestens drei Tage an und ließ erst zehn Tage später langsam nach, wie die Versuche ergaben. In einem weiteren Experiment führten die Nanoröhrchen zudem dazu, dass die süchtigen Mäuse ihre Vorliebe für die Drogenquelle – den Versuchskäfig mit den Hebeln – verloren. “Damit hemmten die Nanoröhrchen nicht nur die belohnenden Effekte des Methamphetamins, sie hemmten auch das Verhalten, das bei süchtigen typischerweise zu Rückfällen führt”, sagen die Forscher.





